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Status Quo

Status Quo ist eine britische Band, die in den Jahren 1962/1965 gegründet wurde und zu den erfolgreichsten und langlebigsten Rockgruppen zählt. Insgesamt hat die Band bislang 31 Studioalben, mehrere Livealben und fast 100 Singles veröffentlicht. Zu den bekanntesten Stücken zählen What You’re ProposingDown Down und Whatever You Want. Auch mit Coverversionen anderer Künstler sind Status Quo erfolgreich. Ihre Versionen von Rockin’ All Over the Worldund In the Army Now sind vermutlich bekannter als die Originalfassungen. Der erste Hitparadenerfolg gelang 1968 mit Pictures of Matchstick Men. Über die Jahre hat die Band nach eigenen Angaben weltweit mehr als 118 Millionen Platten verkauft[1].

Gründerjahre (1962 bis 1966)

Status Quo ging aus einer Londoner Schülerband um Francis Rossi und Alan Lancaster hervor, die zu Beginn des Jahres 1962 als The Scorpions gegründet wurde. In den ersten Monaten mussten häufige Besetzungswechsel hingenommen werden. Auch der Bandname wurde in The Spectres geändert. Das Jahr 1962 wurde in verschiedenen Quellen und auch von der Band selbst lange Zeit als das Gründungsjahr genannt. Schließlich feierte man offiziell 1982 mit dem Album 1+9+8+2 (die Quersumme ergibt 20) den zwanzigsten Geburtstag. Bis 1964 bildete sich eine feste Besetzung heraus, zu der neben Rossi und Lancaster auch der Schlagzeuger John Coghlan und etwas später der Keyboarder Roy Lynes zählten. Manager der Band war Pat Barlow, ein Londoner Gas-Installateur. Dieser stellte den Musikern auch einen Proberaum zur Verfügung.

1965 trafen sich die Band und Rick Parfitt in Butlins Minehead, einem Ferienclub, in dem die Spectres und die Highlights auftraten. Parfitt war damals mit den Zwillingsschwestern Jean und Gloria Harrison auf Tournee. Das Trio hieß The Highlights und trat mit einer Mischung aus Musik und Kabarett auf. Die Band und Parfitt freundeten sich an und blieben nach Ende des Engagements in Kontakt. Dies war der eigentliche Anfang von Status Quo. The Spectres nahmen jede Gelegenheit wahr, um aufzutreten – ob in kleineren Clubs, als Vorgruppe von bekannten Gruppen wie beispielsweise den Hollies oder bei einem der vielen Pop- und Beatabende. Ansonsten gingen die Bandmitglieder Teilzeit-Jobs nach (Rossi beispielsweise mähte Rasen). Unzufrieden mit der Situation arbeiteten The Spectres weiter an ihrem großen Ziel: einem Plattenvertrag.

Im Juli 1966 schließlich ermöglichten die Kontakte von Barlow einen Teilerfolg: The Spectres erhielten einen Plattenvertrag für fünf Jahre bei „Piccadilly Records“ (einem Tochterlabel von Pye Records). 1966 wurden zwei erfolglose Singles veröffentlicht, I (Who Have Nothing) und Hurdy Gurdy Man (die als einzige davon in Deutschland erschien). Auch die dritte Single (We Ain’t Got) Nothing Yet im Februar 1967 floppte. Nach diesen Tiefschlägen stand die Gruppe an einem Scheidepunkt. Manager Pat Barlow beschloss, es unter einem neuen Namen zu versuchen. Die Band entschied, sich in „Traffic“ umzubenennen. Da zu dieser Zeit Steve Winwood eine Formation gleichen Namens gründete, wurde der Bandname kurze Zeit später in „Traffic Jam“ geändert. Unter diesem Namen wurde im Juni 1967 eine weitere Single Almost But Not Quite There veröffentlicht, die zwar nicht in den Hitparaden, aber doch bei der BBC für Aufmerksamkeit sorgte. Aufgrund des möglicherweise anstößigen Textes (er enthielt sexuelle Wünsche einer Frau) verbot der Sender die Radioausstrahlung der Single.

Erste Erfolge als „The Status Quo“ (1967 bis 1971)

Francis Rossi (Gesang/Gitarre)

Rick Parfitt, der 1967 nach dem Ende seines Engagements mit „The Highlights“ nach London zurückgekehrt war, blieb in ständigem Kontakt zur Band, vor allem über seinen Freund Francis Rossi. Er arbeitete zeitweise als Angestellter, ohne genau zu wissen, was er nun mit seinem Leben machen sollte. Da der erhoffte Erfolg trotz Plattenvertrags ausblieb, schlug Pat Barlow der Band vor, einen zweiten Gitarristen in die Band aufzunehmen. Die Wahl fiel auf Rick Parfitt, der das Angebot sofort annahm. Nach dem Radioboykott der neuen Single durch die BBC und auch wegen der Reibereien mit Steve Winwood wurden Überlegungen angestellt, den Bandnamen abermals zu ändern. Nachdem „The Muhammed Alis“ in die engere Auswahl gezogen wurde, brachte Barlow den Namen „Quo Vadis“ ein, den er im Innenteil eines Schuhs zufällig entdeckt hatte. Die Band gab sich schließlich den Namen „The Status Quo“, der kurz darauf via Presseerklärung publik gemacht wurde.

Die nächste Single im November 1967 fiel unter der Entscheidung: „Jetzt oder nie“. Francis Rossi war von Jimi Hendrix‚ Hey Joe sehr inspiriert, und das neue Werk sollte etwas in dieser Richtung sein. So wurde der Song Gentlemen Joe’s Sidewalk Cafe (das Original stammt von Kenny Young) im Studio aufgenommen. Die B-Seite dieser Single war der von Rossi geschriebene Titel Pictures of Matchstick Men, eine pseudo-psychedelische Nummer aus der beginnenden Flowerpower-Pop-Ära. Schon bald stellte sich heraus, dass dieses Lied sich viel besser als die A-Seite darstellte und zudem glänzend in den Psychedelic-Musiktrend passte. Es stieg in den Top-Ten in Großbritannien auf Platz 7 und verschaffte der Gruppe den bis heute einzigen Hit in den USA. Als Lizenznehmer von Pye wurde die Single in den USA auf Cadet Records, einem Label von Chess Records, veröffentlicht.

Die folgenden Titel erreichten nicht annähernd diesen Erfolg. Auch in Deutschland war es der erste Titel, der „The Status Quo“ bekannt machte und in der Hitparade auf Platz 7 kletterte. Als Co-Manager und vor allem Geldgeber fungierte seit Mitte/Ende 1967 Joe Bunce, ein Tapeziermeister und Freund von Pat Barlow.

Das Jahr 1968 brachte für Status Quo einige kleinere Erfolge: Eine weitere in den Hitparaden platzierte Single (Ice in the Sun), Konzerte und Auftritte bei verschiedenen Fernsehsendern – darunter auch im „Beat-Club“ des deutschen Fernsehens mit Ice in the Sun. Ihr erstes Album Picturesque Matchstickable Messages of the Status Quo erschien ebenfalls 1968. Bei der Jahresumfrage des „Record Mirror“ wurden „The Status Quo“ auf Platz 12 der vielversprechendsten Bands des Jahres gewählt.

Ab März 1969 wurde der Name auf „Status Quo“ verkürzt. Verschiedene musikalische Aha-Erlebnisse (unter anderem der Roadhouse Blues von den Doors) sowie die großartigen Publikumsreaktionen, wenn die Band in Konzerten improvisierte, führten zu einer mehr Blues- und boogieorientierten Spielart. Die Carnaby-Street-Verkleidungen der psychedelischen Ära wurden eingemottet. Die Band trat in den Clubs und Hallen nur noch in normaler Straßenkleidung mit Jeans und T-Shirt auf. Grund für diese Entwicklung war allerdings auch, dass den beiden Hitsingles keine weiteren folgten. Für Konzertveranstalter der Hit-Tourneen wurden Status Quo damit zunehmend uninteressanter. In der Folge wurde auch die Zusammenarbeit mit Pat Barlow beendet. Neu zur Band stieß hingegen Bob Young. Ursprünglich als Roadievorgesehen, wurde er schnell zum inoffiziellen Bandmitglied, da er als Co-Autor an diversen Stücken mitschrieb und auch als Musiker (Mundharmonika) mitwirkte.

Ende 1970 verließ der Keyboarder Roy Lynes die Band, die fortan als Quartett einen reinen, gitarrenbetonten Bluesrock entwickelte, der einen sehr treibenden Boogie-Woogie-Rhythmus zur Grundlage hatte. Mit dem 1971er Album Dog of Two Head fand die Band schließlich die musikalische Formel, die sie in den Folgejahren nur noch behutsam veränderte und auch heute noch nach über 40 Jahren die Basis ihrer Lieder darstellt.

Durchbruch und internationale Erfolge (1972 bis 1981)

Status Quo 1978 (Rossi, Parfitt, Lancaster – von links nach rechts)

Trotz der wieder stark ansteigenden Zahl der Fans blieben die Plattenverkäufe zunächst unbefriedigend. Die Band wurde vom PyeLabel zum Psychedelic Rockgezwungen, weil das Label in dieser Musik die einzige Chance sah, Geld zu machen. „Status Quo“ war jedoch eine Rock-Band und entschied sich daher selbst, das Label zu verlassen. Sie nahmen damit ein großes Risiko auf sich, wie Rick Parfitt immer wieder betonte, und verdienten anfangs kaum etwas. Mit dem Wechsel zum progressiven Vertigo-Label kam aber bald der kommerzielle Erfolg. Mit Hits wie CarolineDown DownRoll Over Lay Down oder Wild Side of Life etablierte sich die Band in der Mitte der 1970er-Jahre, unterstützt durch unablässige Tourneen. Als Band ohne Skandale mit einfachem Sound wurden sie weltbekannt.

Während in den Single-Hitparaden Down Down die einzige britische Nummer 1 der Bandgeschichte war, gelang diese Platzierung in den Album-Charts mehrfach. Ebenfalls sehr erfolgreich verliefen die Tourneen in Großbritannien, Kontinentaleuropa, Japan und Australien. Trotz mehrerer Anläufe schaffte es „Status Quo“ nicht, in Nordamerika erfolgreich zu sein. Wiederholte Wechsel der US-Plattenfirma und zahlreiche Tourneen blieben weitgehend wirkungslos.

Aus heutiger Sicht gelten die Jahre 1972 bis 1976 als die stärkste Phase der Band. Mit dem Album Piledriver gelang der Übergang vom Psychedelic-Rock zum Hard Rock, der 1974 im Album Quo gipfelte. In den Folgejahren dominierte dann der Boogie-Rock, für den die Band bis heute bekannt ist. Der Musik-Stil wurde insgesamt kommerzieller. Nach dem Album On the Level von 1975 kam es zu personellen Veränderungen: 1976 stieß der Keyboarder Andy Bown zu „Status Quo“. Bown war gemeinsam mit Peter Frampton in den 1960er-Jahren bei „The Herd“ aktiv und ein gefragter Studiomusiker, unter anderem für Pink FloydTim Hardin und 1973 auch für das „Status Quo“-Album Hello!. Andy Bown unterstützte die Band auf dem 1976 erschienenen Album Blue for You zwar lediglich bei drei Stücken, ging aber anschließend mit der Band auf den europäischen Teil der Tour, die auf dem 1977 veröffentlichen Album Status Quo Livedokumentiert ist. Aufgezeichnet wurden für dieses Album drei Konzerte im Apollo-Theater in Glasgow. Die lediglich in Japan erschienene LP Tokyo Quo, eine in Tokio mitgeschnittene Aufnahme der gleichen Tournee, ist inzwischen ein rares Sammlerstück. Es war zugleich die letzte Tour der Band als Quartett.

Ab dem folgenden Album Rockin’ All Over the World war Bown an allen Aufnahmen beteiligt. Erst gegen Ende der Sessions nahmen sie auf Vorschlag von Rick Parfitt den Titelsong des Albums, Rockin’ All Over the World, eine Coverversion eines Stücks von John Fogerty aus dem Jahr 1975, auf, das zu einem der bekanntesten Hits der Band wurde. Mit Whatever You Want aus dem 1979 erschienenen gleichnamigen Album schrieb Bown gemeinsam mit Rick Parfitt einen der größten Hits von Status Quo. Etwa zur selben Zeit entschieden sich Status Quo, erstmals seit 1970 wieder mit einem Produzentenzusammenzuarbeiten. Roger Glover produzierte 1976 die Single Wild Side of Life, während in den folgenden Jahren Pip Williams mehrfach am Mischpult Platz nahm.

Inoffizielles Bandmitglied von 1970 bis 1980 war der Tourmanager Bob Young, der gemeinsam mit Francis Rossi und Rick Parfitt als Co-Autor sowie als Musiker an vielen Stücken beteiligt war. Er verließ die Band im Jahr 1980, kehrte jedoch mit dem Heavy Traffic Album im Jahr 2002 als Co-Komponist zurück. Statt Bob Young trat zunehmend Bernie Frost als Songwriting-Partner von Francis Rossi in Erscheinung. Frost wirkte insbesondere in den 1980er-Jahren auch bei den Plattenaufnahmen als Sänger im Hintergrund mit. Im Gegensatz zu Young stand er live jedoch nicht mit auf der Bühne.

Umbrüche (1981 bis 1985)

Rick Parfitt (Gesang, Rhythmusgitarre)

Der langanhaltende Erfolg brachte auch Probleme. Aus steuerlichen Gründen verließen die Musiker Großbritannien und siedelten um auf unterschiedliche Steueroasen, unter anderem die britischen Kanalinseln und die Isle of Man, wie im Stück Living on an Island beschrieben. Dies und zunehmende Drogenprobleme führten zu einer Entfremdung der Musiker. Ende 1981 verließ Gründungsmitglied John Coghlan die Band. Pete Kircher ersetzte ihn am Schlagzeug. John Coghlan konzentrierte sich fortan auf sein Band-Projekt „Diesel“. Heute trommelt er gelegentlich mit seiner neuen Band „John Coghlan’s Quo“ oder für die „King Earl Boogie Band“. Gleichzeitig mit dem Einstieg von Pete Kircher wurde auch der langjährige Keyboarder Andy Bown als offizielles Bandmitglied vorgestellt.

Einen großen Auftritt hatte die neu formierte Band im Mai 1982, als sie in Birmingham ein Konzert in Anwesenheit von Prinz Charles gab, das live von der BBC im Fernsehen und im Radio übertragen wurde. Die Aufnahme des Auftritts wurden später als Live at the N.E.C. als Album veröffentlicht.

1984 verabschiedeten sich Status Quo mit der erfolgreichen Europatournee End of the Road von ihrem Publikum. Offiziell wurde als Grund bekanntgegeben, sich fortan um Soloprojekte kümmern zu wollen. Ein wichtiger Grund für den Rückzug waren jedoch Unstimmigkeiten zwischen Francis Rossi und Alan Lancaster, der sich vom musikalischen Konzept der Gruppe zunehmend distanzierte. Auch war Lancaster mittlerweile nach Australien umgesiedelt, was eine enge Zusammenarbeit praktisch ausschloss. Eine offizielle Trennung war damit aber nicht verbunden, da ausdrücklich weitere Plattenveröffentlichungen angekündigt wurden.

1985 spielte die Formation mit Lancaster und Kircher noch einmal zur Eröffnung des Live-Aid-Konzerts in London. Eine Fortsetzung der Arbeit wurde geplant, kam aber nicht zustande. Alan Lancaster und Rossi und Parfitt stritten sich um die Namensrechte der Gruppe, da Lancaster zusammen mit australischen Kollegen eine neue Formation unter altem Namen bilden wollte. Rossi und Parfitt wollten ebenfalls weiter als „Status Quo“ veröffentlichen und auftreten. Der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs vergab die Rechte schließlich an Rossi und Parfitt, da diese in der Öffentlichkeit mehr mit dem Namen „Status Quo“ identifiziert wurden als Alan Lancaster.

Nach dem endgültigen Ausstieg von Lancaster wurde der „Geburtstag“ der Gruppe, der sich bisher auf die Gründung von „The Spectres“ im Jahr 1962 bezog, auf das Jahr 1965 umdatiert; dies bezieht sich auf das erste Kennenlernen von Francis Rossi und Rick Parfitt als „jugendliche Profi-Musiker“ in Butlins Holiday-Camp.

Alan Lancaster schloss sich der australischen Band „The Party Boys“ an, während Pete Kircher sich aus dem Musikgeschäft zurückzog. „The Party Boys“ waren in Australien recht erfolgreich, allerdings wurde die Band in Europa kaum wahrgenommen.

Im Jahr 2005 veröffentlichte die Schallplattenfirma Universal, zu der das Label Vertigo inzwischen gehört, die Alben der Jahre 1971 bis 1981 in remasterter (klanglich überarbeiteter) Fassung, wobei rare Aufnahmen als Bonustitel mitveröffentlicht wurden.

Zweite Karriere (1986 bis 2000)

Andrew Bown

1986 präsentierte die Gruppe sich nach dem Weggang von Alan Lancaster und Pete Kircher in einer neuen, verjüngten Besetzung. Rossi, Parfitt und Bown erhielten Unterstützung von John Edwards am Bass und Jeff Rich am Schlagzeug. Edwards und Rich waren zuvor gemeinsam mit Rick Parfitt im Studio gewesen, um dessen (unveröffentlichtes) Soloalbum Recorded Delivery aufzunehmen.

Das Album In the Army Now wurde ein großer Erfolg, die gleichnamige Single (eine Coverversion der Aufnahme von „Bolland & Bolland“) die erfolgreichste der Band. Zwei Lieder wurden von Dave Edmunds, die übrigen Aufnahmen von Pip Williams produziert. In den Folgejahren wurde es ruhiger um Status Quo, wenngleich mit Burning Bridges und The Anniversary Waltz weitere Top-10-Hits in England geschaffen wurden. Die Inspiration zu Burning Bridges, das an irische Jigs und Reelserinnert, holte sich die Band der Legende nach beim Blockflötenspielen von Andy Bowns Tochter.

Status Quo veröffentlichten zum 30-jährigen Bandjubiläum 1996 mit Don’t Stop ein vielbeachtetes und in England sehr erfolgreiches Album mit Coverversionen alter Rockhits, bei denen unter anderen The Beach Boys (Fun, Fun, Fun), Brian May und Maddy Prior von „Steeleye Span“ (All Around My Hat) mitwirkten. Das Konzept der im Quo-Stil aufgefrischten Rockklassiker wurde – mit mäßigem Erfolg – mit den Alben Famous in the Last Century und Riffs wiederholt.

Kurz nach der Veröffentlichung von Don’t Stop wurde die Zukunft von Status Quo erneut ernsthaft gefährdet, als Rick Parfitt nach einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, wo ihm mehrere Bypässe eingesetzt wurden. Er erholte sich glücklicherweise, so dass nach kurzer Unterbrechung wieder Konzerte gespielt wurden.

In der Öffentlichkeit wurden Status Quo in den 1990er-Jahren zunehmend über zweifelhafte Aktionen des Managers David Walker wahrgenommen. Neben erfolgreichen Kurz-Tourneen, die zu Einträgen in das Guinness-Buch der Rekorde führten, bestimmten inszenierte Band-Jubiläen und eine gescheiterte Klage gegen die BBC, die Status-Quo-Singles nicht mehr im Jugendprogramm spielte, die Medienarbeit.

Musikalischer Höhepunkt der Jahre 1986 bis 2000 war aus Fansicht das Album Rock ’Til You Drop, das sich im Gegensatz zu vielen anderen Aufnahmen der Periode sehr stark am musikalischen Stil der erfolgreichsten Jahre orientierte. Mit dem Live-Klassiker 4500 Times und dem Stück Can’t Give You More (im Original aus den Jahren 1973 beziehungsweise 1977) wurden auch zwei Songs der damaligen Zeit als Bonustracks für die CD neu aufgenommen.

Das neue Jahrtausend (2001 bis 2011)

Francis Rossi (links) und Rick Parfitt (2004)

Live in Lichtenvoorde (NL) (2006)

Im Jahr 2000 gab es einen weiteren Wechsel am Schlagzeug. Jeff Rich kündigte seinen Abschied an, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Er betreibt heute eine Schlagzeug-Schule. Neuer Schlagzeuger wurde Matt Letley. Vorübergehend zog sich auch Andy Bown aus der Öffentlichkeit zurück, um seiner schwer erkrankten Frau beistehen zu können. Er wurde bei Live-Auftritten durch Paul Hirsh vertreten. Nach dem Krebstod seiner Frau kehrte Bown Ende 2001 zu Status Quo zurück.

Die Zusammenarbeit mit dem Manager Walker endete nach dessen tödlichem Herzinfarkt ebenfalls unter tragischen Umständen. Ohne dessen Einflussnahme kehrten Status Quo abermals zu ihren Wurzeln zurück. Das Album Heavy Traffic von 2002 orientierte sich wieder an den klassischen Stärken von Status Quo: „Heads Down No-nonsense Boogie“. Erstmals seit vielen Jahren war auch Bob Young wieder an einer Neuveröffentlichung beteiligt. Auf Riffs (2003) ist er zudem auf einem Stück auch an der Mundharmonika zu hören. Als Produzent fungierte Mike Paxman, der in der Band von Judie Tzuke bereits mit John „Rhino“ Edwards (und auch Jeff Rich) zusammen gespielt hatte.

Bis heute tourt die Band regelmäßig und gibt jedes Jahr ungefähr 100 Konzerte – nicht nur in Europa. Diese Verpflichtungen verhinderten trotz massiver Forderungen der britischen Presse auch, dass Status Quo 2005 beim Live-Aid-Nachfolger Live 8 auftraten. Die Gruppe hielt ihre Zusage ein und trat am gleichen Tag – wie geplant – in Irland auf.

Im September 2005 erschien das Studioalbum The Party Ain’t Over Yet, das den 40. Jahrestag des ersten Treffens von Francis Rossi und Rick Parfitt zelebrierte. Das Album und die gleichnamige Single erreichten in England die Top 20. Insgesamt konnten Status Quo in Großbritannien mehr als 60 Top-40-Hits erzielen, davon 22 Top-10-Erfolge. Der weltweite Umsatz an Tonträgern wird offiziell mit mehr als 118 Millionen (Stand: Juni 2007) angegeben.

Im Herbst 2005 schwor Rick Parfitt auf der The Party Ain’t Over Yet-DVD allen Fans, dass nie mehr ein Cover-Album erscheinen werde.

Im vierzigsten Jahr nach ihrem ersten Schallplattenvertrag trennten sich Status Quo 2005 auch von ihrer langjährigen Plattenfirma Universal, der sie seit 1972 treu waren. (Lediglich das 1999er-Album Under the Influence war nicht bei einem Label der Universal-Gruppe erschienen. Aus diesem Grund war dieses Album auch nicht in der umfassenden Reihe von Wiederveröffentlichungen enthalten, die Universal 2005 und 2006 auf den Markt brachte und die alle Alben von 1972 bis 2000 umfasste.) Damit sind derzeit weitestgehend alle Aufnahmen der Gruppe auf CD erhältlich, während die Soloaufnahmen der 1980er-Jahre zum Teil noch auf ihre CD-Erstveröffentlichung warten.

Anfang Dezember 2005 wurde bei Rick Parfitt, einem Kettenraucher, eine Wucherung im Hals festgestellt, weshalb alle ausstehenden Konzerte der laufenden Tournee abgesagt wurden. Kurz vor Weihnachten 2005 bekam Parfitt von seinen Ärzten den Befund, dass die Wucherungen gutartig waren und vollständig entfernt werden konnten. Der Verdacht auf Kehlkopfkrebs wurde somit nicht bestätigt.

Im Jahr 2006 traten Status Quo daher weiter auf. Ein Höhepunkt war eine gemeinsame Tournee mit Deep Purple durch Australien („Double Trouble Tour“). Das Konzert im National Exhibition Centre in Birmingham am 21. Mai 2006 wurde für die Veröffentlichung auf DVD aufgezeichnet und erschien im Herbst 2006 unter dem Titel Just Doin’ It.

„Rhino“ Edwards (Bass) beim Classic Rock Festival Hamburg

Rick Parfitt (Gitarre) beim Classic Rock Festival Hamburg

Einer weltweiten Öffentlichkeit konnten sich Status Quo präsentieren, als sie am 1. Juli 2007 im Rahmen des Concert for Diana zu Ehren der zehn Jahre zuvor verstorbenen Prinzessin Diana Rockin’ All Over the World im Londoner Wembley-Stadion spielten.

Im September 2007 erschien ein neues Studioalbum mit dem Titel In Search of the Fourth Chord (deutsch: Auf der Suche nach dem vierten Akkord). Mit diesem Titel greift die Band in ironischer Weise das gängige Vorurteil auf, dass Status Quo lediglich drei Akkorde beherrschen. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Plattenlabel mit dem Namen „Fourth Chord Records“ gegründet. In Kontinentaleuropa (ohne Frankreich) erschien das Album hingegen bei Edel, während die Veröffentlichung in Frankreich (bereits Ende August) auf XIII Bis Records erfolgte. Für die Aufnahmen, die im April 2007 begannen, wurde erneut Produzent Pip Williams verpflichtet, der mit Rockin’ All Over the WorldWhatever You WantIn the Army Now und Don’t Stop einige der größten Erfolge der Band betreute. Im Herbst 2007 wurde das Album mit einer weiteren Tournee auch live vorgestellt.

Im Oktober 2008 erschien eine Neuaufnahme des 1979er Hits Whatever You Want, die von der Techno-Band Scooter gemeinsam mit Status Quo eingespielt wurde. Die Bereitschaft von Status Quo, die bisherigen Rock-Pfade zugunsten von Techno-Musik zu verlassen, wurde von vielen Fans kritisch betrachtet. Die gemeinsame Single erreichte allerdings bereits in der ersten Woche Platz 11 der deutschen Charts und verschaffte Status Quo somit den ersten echten Single-Hit in Deutschland seit Langem.

Im Spätherbst 2008 erschien mit Pictures – 40 Years of Hits eine neue Kompilation, die neben den diversen Klassikern von Status Quo auch Jump That Rock und eine Weihnachtssingle mit dem Titel It’s Christmas Time enthält. Die Veröffentlichung erfolgte in verschiedenen Fassungen, darunter ein 4CD-Earbook, das alle bis dato im Vereinigten Königreich erschienenen Singles enthält.

Am 16. Juli 2009 trat die Band nach 2004 das zweite Mal am Montreux Jazz Festival am Genfersee in der Schweiz auf. Das ausverkaufte Konzert im Auditorium Stravinski wurde auf Video aufgezeichnet und im Oktober 2009 in mehreren Formaten (DVD, BluRay, Deluxe Edition) unter dem Titel Pictures – Live at Montreux 2009veröffentlicht.

Die langjährigen Erfolge und Verdienste von Rick Parfitt und Francis Rossi wurden am 31. Dezember 2009 mit dem Orden Order of the British Empire gewürdigt.

Im Mai 2010 erschien mit One Step At A Time das zweite Solo-Album von Francis Rossi, welches er mit einer kleinen Tour vorstellte. An den Aufnahmen waren mit Rhino Edwards und Andrew Bown auch Musiker von Status Quo beteiligt.

Ende September 2010 wurde eine neu eingespielte Version des Songs In The Army Now veröffentlicht. Die Gewinne aus dieser Veröffentlichung wurden zugunsten der „British Forces Foundation“ und „Help For Heroes“ gespendet.[2]

Mit der Veröffentlichung von Quid Pro Quo im Mai 2011 schafften es Status Quo, in sechs aufeinander folgenden Jahrzehnten einen Top 10-Hit in Großbritannien zu landen. Das Album enthält auch eine Neuaufnahme des 1986er-Hits In The Army Now, der bereits im September 2010 als Benefiz-CD zugunsten der Angehörigen der britischen Armee veröffentlicht wurde.

Wiedervereinigung der „Frantic Four“, Filmprojekt und Aquostic (2012 bis 2015)

Im Oktober 2012 erschien die von Alan Parker produzierte Dokumentation „Hello Quo“, die unter anderem eine Jamsession der Urbesetzung mit Rossi, Parfitt, Lancaster und Coghlan enthält. Die vier Gründungsmitglieder spielten für die Filmaufnahmen erstmals seit über 30 Jahren wieder gemeinsam, was Gerüchte um eine mögliche Wiedervereinigung der „Frantic Four“ anheizte. Am 3. November 2012 gab die Band über ihre Homepage bekannt, dass im März 2013 fünf Konzerte mit den ehemaligen Mitgliedern stattfinden.[3] Die Wiedervereinigung sollte eine „einmalige“ Aktion sein. Aufgrund des großen Erfolgs fanden im Frühjahr 2014 weitere Konzerte – auch in Deutschland – statt.[4] Aufnahmen aus dem März 2013 wurden unter dem Titel „Back2SQ.1 – The Frantic Four Reunion 2013“ Ende September 2013 veröffentlicht, Aufnahmen von April 2014 im Herbst 2014 unter dem Titel „The Franctic Fours Final Fling“.

In der bisherigen Bandbesetzung mit Rossi, Parfitt, Bown, Edwards und Letley spielten Status Quo nach Bekanntgabe der Wiedervereinigung weitere Konzerte. Am 17. Dezember 2012 gab der Schlagzeuger Matt Letley jedoch bekannt, dass er die Band nach 12 Jahren verlassen werde. Zwei Tage später spielte er sein vermeintlich letztes Konzert. Am 13. Februar 2013 verkündete Letley, dass er im Jahr 2013 auch im Rahmen der geplanten Australien-Tour das Schlagzeug spielen werde.[5] Am 24. Mai 2013 wurde Leon Cave, der zuvor bereits in Francis Rossis Tour-Band mitgewirkt hatte, als neuer Schlagzeuger bestätigt.[6]

2013 erschien ein Kinofilm unter dem Titel „Bula Quo!“, der ab April 2012 gedreht wurde. Regie bei „Bula Quo!“ führte Stuart St. Paul.[7]

Mit dem Album Aquostic (Stripped Bare) erschien im Oktober 2014 eine Veröffentlichung mit Neuaufnahmen bekannter Stücke der Band, die weitgehend unter Verzicht auf elektronische bzw. elektrisch verstärkte Instrumente aufgenommen wurden. Damit steht das Album in der Tradition von MTV unplugged, wenngleich kein formeller Zusammenhang zur Fernsehserie bestand. Im Anschluss an die Veröffentlichung folgten mehrere Konzerte, die durch diverse Begleitmusiker unterstützt wurden. Die Aufzeichnung des Konzerts im Londoner Roundhouse wurde als Live-Album veröffentlicht.

Ende der umfassenden Tourneen und Tod Rick Parfitts

Am 1. Februar 2016 gab Status Quo bekannt, dass die Europatour Herbst/Winter 2016 die letzte dieser Art sein werde. Dies bedeute nicht das Ende von Status Quo, aber das Ende großer Shows mit elektrischen Gitarren. Die Tour läuft unter dem Titel The Last Night of the Electrics.[8] Inwieweit die Band nach 2016 noch im Rahmen von Festivals auftreten wird oder ob sie sich auf Konzerte mit akustischen Gitarren (analog der Aquostic-Tour 2015) beschränken wird, wurde in der Pressemitteilung nicht konkretisiert.

In den frühen Morgenstunden des 15. Juni 2016 brach Rick Parfitt nach einem Konzert in Antalya in seinem Hotel nach einem erneuten Herzinfarkt zusammen und wurde nach erfolgreicher Reanimation in ein türkisches Krankenhaus gebracht. Im September 2016 gab das Management von Status Quo bekannt, dass Parfitt mindestens bis zum Jahresende 2016 keine Auftritte absolvieren könne. Eine mögliche Rückkehr auf die Bühne wurde bewusst offen gelassen:

„Rick may well have performed his last show with Quo“

„Könnte gut sein, dass Rick das letzte Mal mit Quo aufgetreten ist.“

– www.statusquo.co.ukNachricht auf der Bandhomepage; StatusQuo.co.uk, abgerufen am 15. September 2016.

Die im Oktober 2016 beginnende Abschlusstournee fand auf Parfitts Wunsch dennoch statt. Er wurde durch den irischen Gitarristen Richie Malone ersetzt. Bei einigen Konzerten während des Sommers war Freddie Edwards, der Sohn des Bassisten John „Rhino“ Edwards, für Parfitt eingesprungen.[9] Am 24. Dezember 2016 starb Rick Parfitt an einer Infektion nach einer Operation.[10]

Am 21. Oktober 2016 erschien ein weiteres Akustik-Album mit dem Titel Aquostic II – That’s A Fact!. Es folgt dem Konzept des Albums Aquostic Stripped Bare.[11] An den Aufnahmen zum Album war Parfitt noch beteiligt.

2017 spielte die Band u. a. auch erstmals auf dem Wacken Open Air.

Diskografie

In den über 50 Jahren ihres Bestehens haben Status Quo mehr als 30 Alben herausgebracht. Hinzu kommen mehr als 100 Single-Veröffentlichungen.[12] Unter den Namen „The Spectres“ beziehungsweise „Traffic Jam“ wurden nur Singles veröffentlicht, die allerdings in den vergangenen Jahren auf CD wiederveröffentlicht wurden.

In Deutschland konnten Status Quo über 30 Platzierungen in den Singles-Charts sowie über 25 Alben in den Album-Charts verzeichnen (siehe Chartplatzierungen). Diese verteilen sich auf sechs Jahrzehnte, da die erste Hitsingle aus dem Jahre 1968 stammt, während der bislang letzte Charteintrag aus dem Jahr 2011 stammt. Auch in den dazwischen liegenden Jahrzehnten konnte die Hitparade erreicht werden, ohne dass dazu Wiederveröffentlichungen alter Aufnahmen erforderlich gewesen wären.

Live-Alben

Angesichts der regelmäßigen Tourneen ist es überraschend, dass in den ersten 40 Jahren der Bandgeschichte nur wenige Konzerte von Status Quo als Live-Aufnahme veröffentlicht wurden. Mehrere Veröffentlichungen wurden kurzfristig vor Erscheinen wieder zurückgezogen, so dass bis 2006 lediglich vier Live-Alben regulär auf den Markt gebracht wurden. Ein weiteres Album erschien 1977 exklusiv in Japan. Mit Ausnahme der Frühphase (mit Keyboarder Roy Lynes) decken diese Alben jedoch alle Besetzungen der Band ab.

Das Konzert vom 22. Juni 2008 in Westonbirt wurde erstmals nach dem „Instant-Live“-Prinzip aufgezeichnet, wobei die Aufnahmen unmittelbar nach Konzertende als CD veröffentlicht wurden. Ferner wurde das Konzert auch per kostenpflichtigem Download vermarktet. Aufgrund des Erfolgs dieses Angebots wurden in der Folge von weiteren Auftritten ebenfalls Livemitschnitte offiziell veröffentlicht.

mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Status_Quo


Slime 

Slime ist eine deutsche Punk-Band aus Hamburg. 1979 gegründet, wurde sie zu einer der stilprägenden Bands der 1980er Jahre. Musikalisch und auch textlich wandelte sie sich von einer Band mit simplen, eingängigen Liedern im Stile des britischen Punkrocks der späten 1970er Jahre zu einer Gruppe mit ausgefeilteren Songstrukturen und komplexen, verschlüsselten Texten. Sie beeinflusste durch ihre antifaschistischen Texte die Geschichte der deutschen Punk-Bewegung. Einzelne Parolen, besonders aus ihrer frühen Phase, fanden Verbreitung in der autonomen Szene.

Zeitweilig war Slime umstritten. Der Gruppe wurde im Zuge des wachsenden Erfolges „Ausverkauf“ vorgeworfen. Auch ihre antiamerikanischen Texte sorgten für Kritik in der linken Szene. Mehrere Lieder, insbesondere das 1980 veröffentlichte Wir wollen keine Bullenschweine (auch bekannt als Bullenschweine), waren Gegenstand von Ermittlungsverfahren.

Nach der Auflösung 1984 kam es Anfang der 1990er Jahre unter dem Eindruck fremdenfeindlicher Ausschreitungen zu einer Wiedervereinigung, die jedoch nur für zwei Alben Bestand hatte. Erst zu dieser Zeit hatte die Band kommerziellen Erfolg. Nach einer Pause von fünfzehn Jahren vereinte sich die Gruppe im Jahre 2009 wieder, 30 Jahre nach dem Datum der Erstgründung, und veröffentlichte 2012 ein neues Album. Seitdem ist die Band wieder aktiv.

Bandgeschichte

Erste Phase: 1979–1984

Michael „Elf“ Mayer und Sven „Eddie“ Räther besuchten das Gymnasium Heidberg im Hamburger Stadtteil Langenhorn. Gemeinsam entdeckten sie ihre Liebe zur Punk-Musik über das erste Album der Ramones und beschlossen, eine Band zu gründen. Mayer übernahm die Gitarre und Räther den Bass, hinzu kam der Hafenarbeiter Peter „Ball“ Wodok am Schlagzeug. Erster Sänger wurde Thorsten „Scout“ Kolle, ein Klassenkamerad von Mayer und Räther. Zunächst gab man sich den Namen „Slime 79 and the Sewer Army“, abgeleitet vom bekannten gleichnamigen Spielzeug. Kurz darauf verkürzte man ihn in Anlehnung an andere kurze und prägnante Punk-Band-Namen aus Hamburg zu Slime.[1] Den ersten Text, den die junge Band schrieb, war Polizei SA/SS, eine Reaktion auf Polizeiaktionen gegen Atomkraftgegner. 1979 folgte der erste Auftritt im Jugendzentrum Kiwittsmoor mit einem zweiten Gitarristen namens Oliver Laudahm. Die Band trat zusammen mit The Kreislaufkollaps auf. Deren Sänger Dirk Jora imponierte der Band, und so trennte man sich von Kolle, der mit der Sängerrolle noch nie zufrieden gewesen war. Kolle ist heute Drehbuchautor für Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Rote Rosen, zu Räther pflegt er noch heute Kontakt.[2]

In Eimsbüttel probte die Band in einem ehemaligen Bunker. Das erste Lied, das sie in dieser Besetzung schrieb, war Wir wollen keine Bullenschweine. Tom Meyer von Moderne Musik bot ihnen an, eine Singleaufzunehmen. Im Herbst 1979 nahm Slime mit BullenschweineIranHey Punk und Ich hasse insgesamt vier Stücke auf, sodass statt einer Single genügend Material für eine Extended Play vorlag. Diese erschien im Februar 1980 in einer Auflage von 2.000 Stück, die rasch ausverkauft war. Zusammen mit The Buttocks folgte am 24. Februar ein Konzert in der Turnhalle des Jugendgefängnisses Neuengamme, das auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme errichtet worden war. Jora spielte darauf mehrfach während des Auftrittes an. Dort spielten sie auch unter anderem Polizei SA/SS und Wir wollen keine Bullenschweine sowie ein Cover von Drafi Deutschers Marmor, Stein und Eisen bricht.[3] Das Publikum reagierte heftig auf die Musik der Band. Nach dem Auftritt durften in dem Gefängnis jahrelang keine Rock-Konzerte mehr stattfinden. Kurz nach dem Auftritt stieg Christian Mevs als zweiter Gitarrist ein.[4]

Cover des ersten Albums

Durch den Erfolg angespornt, liehen sich die Mitglieder von Slime bei Bekannten und Freunden Geld, um die erste LP in den Raubbau-Studios in Hamburg in Eigenregie aufzunehmen. Die erste Pressung von Slime I erreichte eine Auflage von 5.000 Stück und wurde insgesamt fünf Mal auf eigene Kosten nachgepresst. Ein Großteil der Stücke war in Englisch verfasst. Das erste Album erregte wegen des Lieds Wir wollen keine Bullenschweine das Interesse der Hamburger Staatsanwaltschaft und des Verfassungsschutzes. Erstere führte in Klaus Maecks Plattenladen Rip Off eine Razzia durch und beschlagnahmte einige Exemplare des Debütalbums. Zudem erhielt Maeck, der irrtümlich für den Produzenten der Platte gehalten wurde, eine Anzeige wegen Volksverhetzung; das Verfahren wurde später eingestellt.[5]

Nachdem das Debütalbum in der Punk-Szene großen Erfolg gehabt hatte, wurde Karl-Ulrich Walterbach von Aggressive Rockproduktionen (AGR) auf die Band aufmerksam. Der erste Vertragsabschluss erfolgte per Handschlag. Walterbach ließ 50.000 LPs pressen.[6] Parallel dazu veröffentlichte er 1980 auf dem Sampler Soundtracks zum Untergang die beiden Stücke Polizei SA/SS und Keine Führer. Ersteres musste auf späteren Veröffentlichungen zensiert werden. Der Sampler wurde 1982 wegen dieses Lieds und Helden von Middle Class Fantasies indiziert, da die Strafverfolgungsbehörden „eine Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole“[7]sahen.[8] 1989 erschien Slime I bei AGR noch einmal unzensiert auf CD, 2003 wurde es bei Weird System mit einer neu aufgenommenen, zensierten Version von Wir wollen keine Bullenschweine erneut veröffentlicht.

Nach der Veröffentlichung wurde Schlagzeuger Peter Wodok aus der Band ausgeschlossen. Er hatte schon damals schwere Alkoholprobleme und verstarb 1994 an den Folgen seines jahrelangen Alkoholkonsums. Für ihn kam Stephan Mahler, ein ehemaliger Bandkollege von Mevs. Mahler hatte zu Slime I den Text von Karlsquell beigesteuert sowie bei I Wish I Was mitgesungen. 1982 erschien die zweite LP Yankees raus. Nach dem Erfolg der deutschen Texte auf der EP und dem Debütalbum konzentrierte man sich nur noch auf diese. Mahler begann auch als Songschreiber aktiv zu werden und steuerte mit Demokratie und Pseudo zwei Texte bei. Das Album festigte Slimes Ruf als radikalste Punk-Band in der deutschen Szene, wenn auch die Texte auf dem zweiten Album wesentlich persönlicher gehalten waren.[9] Zusammen mit Beton Combo, Aheads und Middle Class Fantasies tourte Slime durch Deutschland.

Mahler übernahm bei Slime schnell eine führende Rolle und schrieb einen Großteil des dritten Albums Alle gegen Alle, das am 15. April 1983 erschien. Zum ersten Mal verfügte es dank Harris Johns über eine professionelle Produktion. Musikalisch wandte sich die Band vom 77er-Punk-Rock ab und begann, Einflüsse des wesentlich dichteren und dunkleren Hardcore Punks, im Stile der Dead Kennedys und von Black Flag, zu integrieren. Das Werk ist textlich differenzierter, besteht aus weniger Parolen und ist düsterer als die vorherigen Alben. Dies lag vor allem an der desolaten Lage der Punk-Szene, die sich politisch stärker ausdifferenzierte, unter anderem in verschiedene neonazistische Auswüchse, aber auch in politisch dogmatische Linke. Beiden widmeten Slime auf diesem Album mehrere Lieder, unter anderem Linke Spießer und Nazis raus, eine Coverversion von Beton Combo. In diese Zeit fallen weitere Konzerte, teilweise mit Vorbildern der Band. Zum Beispiel 1982 in Hamburg-Harburg zusammen mit den Dead Kennedys und MDC, begleitet von einer Hundertschaft Bereitschaftspolizei unter der Bühne. Auftritte mit Bad Brains in Osnabrück und Ton Steine Scherben in Neumünster folgten.[10] Doch kurz darauf verließ Mahler die Band wieder. Ausschlaggebend waren Kommerzvorwürfe und Anfeindungen aus der Linken, die Mahler nur schwer aushalten konnte. Er war überzeugt, dass Slime nicht mehr weiterkommen könne und schlug Mayer vor, eine andere Band zu gründen. Als er im Urlaub hörte, dass die Band ohne seine Zustimmung ein Live-Album geplant hatte, verließ er sie. Michael Mayer versuchte noch, Slime zusammenzuhalten. Er holte Stephen Larsson von The Buttocks in die Band. Zusammen spielte man das Live-Album Live (Pankehallen 21. Januar 1984) ein. Es folgten weitere Auftritte, doch letztlich konnte sich die neue Aufstellung der Band nicht etablieren – sie löste sich schließlich offiziell auf.[11]

Zwischenjahre 1984–1990: Andere Projekte

Trotz ihrer Auflösung spielte Slime in der Zeit bis zur Wiedervereinigung der Band 1992 mehrmals, so im Störtebeker in der besetzten Hafenstraße oder auf dem „Störtebeker-Barkassen-Trip“ im Hamburger Hafen, bei dem es Freibier gab und die Barkasse beinah im Hafenbecken versenkt worden wäre. Auch für die besetzte Hafenstraße sowie für alternative Projekte wie die Volxküche engagierten sich die Mitglieder mit Benefiz-Auftritten.[12]

Die Bandmitglieder gingen während dieser Zeit verschiedenen Projekten nach. Eddi Räther und Michael „Elf“ Mayer gründeten zusammen mit Stephane Larsson von The Buttocks die kurzlebige Punk-Band Targets.

Stephan Mahler spielte Schlagzeug in der Gothic-Rock-Band Mask For und in der Gruppe Torpedo Moskau. Beide waren auch in der Gruppe George & Martha aktiv. Mahler und Mevs lernten außerdem Jens Rachut kennen. Während Mahler schon bei Das Moor mit diesem zusammenarbeitete, gründeten Rachut, Mahler und Mevs gemeinsam die Band Angeschissen. Mevs und Mahler gründeten außerdem das Soundgarden-Studio in Hamburg. Insbesondere Mevs leistete dort die Studioarbeit und produzierte zahlreiche Bands. Das Studio wurde bald erste Adresse für das Hamburger Independent-Label L’age d’or. So erledigte er Produktionen für Tocotronic, Blumfeld und Die Sterne und wurde so einer der wichtigsten Produzenten für die Hamburger Schule.[13]

Michael Mayer widmete sich ab 1988 der Band Destination Zero, an der auch Peter Siegler von Razzia beteiligt war. Ab 1989 wurden beide Mitglieder der Punk-Legende Abwärts, die nach kurzer Auflösung von Frank Z. und FM Einheit fortgeführt wurde und bis 1995 bestand hatte. Mayer betrieb Abwärts parallel nach der Wiedervereinigung von Slime.[14]

Zweite Phase (1990–1994)

Kompilation Die Letzten

1990 erschien die Kompilation Die Letzten mit altem, bisher unveröffentlichten Material sowie diversen Samplerbeiträgen. Am 7. September 1991 traten Slime auf dem „Viva St. Pauli“-Festival auf. Es war der erste Auftritt nach der deutschen Wiedervereinigung, 15.000 Menschen verfolgten den Auftritt. Im Zuge der folgenden politischen Stimmung im Land, mit den Ausschreitungen in Hoyerswerda als Höhepunkt einer rassistischen Welle von Gewalt, beschlossen die Bandmitglieder, Slime wiederzuvereinigen.[15] 1992 erschien das Album Viva la Muerte. Das Album wurde von Rodrigo González, dem späteren Bassisten von Die Ärzte, produziert. Die Produktion des Albums war etwas diffus: Es wurden mehrere Studios benutzt, die finale Abmischung geschah in einem auf Metal spezialisierten Studio. Auch musikalisch war das Album etwas anders als die vorherigen. Es handelte sich um ein Konglomerat aus verschiedenen Genres, unter anderem Seemannslieder, Fußballlieder und Folk-Songs sowie politische Lieder wie Mensch und eher persönliche Songs. Dadurch wurde das Album zum untypischsten im Katalog von Slime. In der Punk-Szene und auch in der Musikkritik kam es nicht besonders gut an. Schnell machten erneute Ausverkaufsvorwürfe die Runde.[16]

Nach einigen Auftritten nahm Slime 1993 das Album Schweineherbst auf. Das Album ist textlich differenzierter und anspruchsvoller als frühere Veröffentlichungen und auch musikalisch ausgereifter. Es ist in seiner klaren politisch linken Machart eine Antwort auf die rassistischen Pogrome in Deutschland. Das Lied Der Tod ist ein Meister aus Deutschland wurde als Single ausgekoppelt und stellt eine musikalische Verarbeitung des Gedichtes Todesfuge von Paul Celan dar. Es ist eine direkte Antwort auf die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen und den Mordanschlag von Mölln. Das Stück zog Parallelen zum KZ-System im Dritten Reich, dem Ausgangspunkt des Originalgedichts. Marcus Wiebusch, zu jener Zeit bei But Alive und Rantanplan, schrieb das Lied Aufrecht gehen. Der Großteil des Albums wurde allerdings von Mahler und Mayer geschrieben. Eddie Räther blieb aus privaten Gründen dem Album fern, so dass Mayer dessen Bassparts einspielte. Schweineherbst wurde dem kurz zuvor verstorbenen Drummer Peter Wodok gewidmet.[17]Es war das bis dato erfolgreichste Album der Band und verkaufte in den ersten Wochen 40.000 Einheiten. Damit erreichte das Album Platz 66 der deutschen Albencharts.[18]

Ende 1994 trennte sich die Band nach einer Abschiedstour erneut. Stephan Mahler und Christian Mevs waren mit dem Erfolg der Band überfordert. Aus ihrer Sicht waren Slime keine reguläre Rock-Band, die von der Musik leben sollte, und sie alle keine Rock-Stars. Mevs begründete dies später so:

„Wir spulten plötzlich eine große Rockshow herunter, bei den Konzerten wollten die Leute mich berühren, sie zupften an meiner Hose. Nach einem Gig kamen Kids, die von ihren Eltern zum Konzert gefahren wurden, und fragten uns beim Autogrammeschreiben, wie viele Bullen wir heute schon verprügelt hätten. Ich wurde zu einer treibenden Kraft hinter der Auflösung der Band. […] Ich fand die Rolle, in die ich mich hineingedrängt fühlte, zum Kotzen. Stephan und ich wurden eine Allianz: Wir wollten Slime demontieren, den Erfolg, den Mythos.“

– Christian MevsSlime – Deutschland muss sterben[19]

Mayer dagegen bewertete den großen Erfolg der Band positiv und wollte unbedingt weitermachen. Auf der gemeinsamen Tour kam es daher häufig zu Streitereien, die letztlich zur erneuten Auflösung führten. Auf der Tour produzierte die Band noch ihr zweites Live-Album Live Punk Club, aufgenommen in der Großen Freiheit in Hamburg.[20]

Zwischenjahre von 1995 bis 2009: Wiederveröffentlichungen und Rubberslime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sänger Dirk Jora bei Rock in Caputh 2013

Die einzelnen Mitglieder widmeten sich anderen Projekten. Mayer gründete seine Soloband Elf, benannt nach seinem Pseudonym, die zwei Alben veröffentlichte. Zusammen mit Jora sowie Musikern von Abstürzende Brieftauben und Heiter bis wolkig gründete er die Band C.I.A. (Church of Independent Assholes), die jedoch nach der Veröffentlichung eines Albums eingestellt wurde.

Mahler machte sich mit dem Stoffgroßhandel seines Vaters selbstständig und beendete seine Musikkarriere. Auch Mevs zog sich nach einem Hörsturz bis zur Reunion von der aktiven Musikerkarriere zurück.[21] Er arbeitet heute als Komponist für Hörspielmusik für den Norddeutschen Rundfunk und Deutschlandradio Kultur.[22]

Im Jahr 2000 erklärten die Richter des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) Deutschland muss sterben zur „Kunst im Sinne des Grundrechts“. Ein Veranstalter einer Demonstration, der das Lied gespielt hatte, bekam zunächst eine Geldstrafe, legte dagegen jedoch so lange Einspruch ein, bis er die oberste Instanz erreichte.[23]

2002 und 2003 erschienen bei Weird System Nachpressungen der ersten drei Alben, die zensierten Stücke wurden hierfür in Teilen neu eingesungen, um strafrechtlicher Verfolgung zu entgehen. 2004 erschien dort auch die Doppel-DVD Wenn der Himmel brennt, die bereits für 2003 angekündigt worden war, jedoch wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verschoben werden musste. Die DVD bietet in Camcorder-Qualität einen dokumentarischen Überblick über die gesamte Bandgeschichte und enthält ein 56 Seiten starkes Booklet mit einem Interview, das die komplette Bandgeschichte umfasst, sowie ein komplettes Werksverzeichnis.[24]

2003 gründeten Jora, Mayer und die Band Rubbermaids nach dem gescheiterten Versuch einer erneuten Slime-Wiedervereinigung das Projekt Rubberslime, das bis 2005 in dieser Besetzung bestand. Dann stieg Jora aus. Jora, finanziell seit 1996 durch Steuerschulden ruiniert, hielt sich bis 2007 als Taxifahrer über Wasser und lebte anschließend von Arbeitslosengeld II.[21] Mayer stieg in die Punk-Band Die Mimmi’s ein, bei der er auch heute noch aktiv ist.

2007 gelang es Mayer, sich und der Band die Rechte an den Mastertapes der ersten drei Alben zu sichern, nachdem Universal, die die Rechte an den AGR-Produktionen besaß, eine Zahlungsfrist verpasst hatte. Die Alben wurden umgehend digital remastered und, um Bonustracks angereichert, über das Label Slime Tonträger neu aufgelegt. Weird System brachte zudem neue LP-Versionen heraus.[25]

Ab 2009: Sich fügen heißt lügen

Promo-Single zu Sich fügen heißt lügen

Ende Oktober 2008 planten Michael Mayer, Christian Mevs und Dirk Jora einen Neustart ohne Mahler. Alex Schwers, der vorher bei Hass, Knochenfabrik und Eisenpimmel spielte, aber seine Musikkarriere beim Schlagersänger Ibo gestartet hatte, übernahm das Schlagzeug. Eddie Räther sollte wieder den Bass übernehmen, bat jedoch wegen einer Sehnenscheidenentzündung um Aufschub. Im Sommer 2009 sagte er jedoch endgültig ab. Er ist heute als Unternehmer im Bau- und Müllentsorgungsgeschäft tätig.[26] Mayer fragte seine Lebensgefährtin Nici, mit der er bereits bei Die Mimmi’s gespielt hatte.[27]

Pfingstsamstag 2010 trat die Band als einer der beiden Headliner auf dem Punk-Festival Ruhrpott Rodeo bei Hünxe auf. Es handelte sich dabei um den ersten Auftritt seit 15 Jahren. Eine Woche später spielte die Band am Millerntor beim hundertjährigen Jubiläum des FC St. Pauli einen zweiten Auftritt. Die Band wurde von Rocko Schamoni angekündigt. Darauf folgte eine Deutschland-Tour.[28]

In einer am 17. und 21. Januar 2011 ausgestrahlten Sendung trat Gitarrist Michael Mayer als Kandidat bei Günther Jauchs Wer wird Millionär? auf.[29] Sein Ziel war es, mit der Gewinnsumme eine Konzertreise seiner Band in die USA so weit wie möglich zu finanzieren. Er gewann 16.000 Euro.[30] 2011 beteiligte sich die Band am Soundtrack zum Film Gegengerade von Tarek Ehlail. Die beiden Lieder St. Pauli und Mittendrin sind die ersten neuen Lieder der Band seit der Reunion. Ein Auftritt der Band im Jolly Roger, der Fankneipe des FC St. Pauli, ist im Film zu sehen.[22]

2011 wurde das 30 Jahre zuvor veröffentlichte Stück Wir wollen keine Bullenschweine indiziert – die Entscheidung betraf sowohl die gleichnamige EP als auch das erste Album. Das Landeskriminalamt Brandenburg hatte die Entscheidung beantragt. Hintergrund war ein Auftritt der Band am 15. Dezember 2010 im Berliner SO36. Im Anschluss kam es zu einer kleinen Straßenschlacht, bei der Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen wurden.[31] Später im Jahr hatte die Band auf dem Wacken Open Air einen ihrer größten Auftritte. Der geriet freilich in die Kritik, weil im gleichen Jahr auch Frei.Wild, die von der Punk-Szene als Grauzonenband mit ihrer Meinung nach fragwürdigen konservativen Texten wahrgenommen wird, auf dem Festival spielten.[32]

Am 15. Juni 2012 erschien das neue Album Sich fügen heißt lügen auf People Like You Records. Es war das erste Studioalbum der Band seit 18 Jahren. Die Band hatte aus der Not, ohne Mahler keinen veritablen Songwriter mehr zu haben, eine Tugend gemacht: Auf diesem Album wurden nur Texte des anarchistischen Dichters Erich Mühsam vertont.[33] Im Sommer 2012 spielten Slime bei einigen Open-Air-Festivals, wie Area4 und das Nonstock-Festival nahe Darmstadt. Im Herbst und Winter folgte eine Club-Tour.

Am 4. März 2013 erschien die offizielle, von Daniel Ryser verfasste Bandbiografie Slime: Deutschland muss sterben. Die anschließende Lesereise wurde von Mevs, Mayer und Jora akustisch begleitet.[34]2013 folgte die Indizierung von Polizei SA/SS. Die Indizierung hatte auch Folgen für diverse Bands, die den Slime-Song gecovert haben, so unter anderem für Totenmond und Japanische Kampfhörspiele, deren Tonträger daraufhin ebenfalls indiziert wurden.[35]

Am 29. September 2017 folgte das bisher letzte Studioalbum Hier und jetzt, das zum ersten Mal seit der Neugründung neue Lieder enthält. Als Songwriter beteiligten sich Max Richard Leßmann, Frank Nowatzki (ex-Beton Combo) sowie Andreas Hüging an dem Album. Bereits vorher waren die Singles Sie wollen wieder schießen (dürfen) und Unsere Lieder als 7’’ erschienen. Eine limitierte Box enthielt neben dem Album im Digipak, einem Aufnäher und einer Posterflag ein bis dato unveröffentlichtes Livealbum.[36]

Musikstil und Texte

Textblatt von Deutschland muß sterben

Slime verstand sich von Beginn an als politische Punk-Band. Dies war zur damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit, waren die Anfänge der Punk-Bewegung doch zunächst politisch diffus. Zwar lehnte man sich gegen Autoritäten auf, doch ein linkes und radikal libertäres Weltbild war in der Punk-Szene jener Zeit nicht verankert. Auch eher am No-Future-Ideal der britischen Punk-Szene orientierte Texte, wie sie bei anderen frühen Punk-Bands wie Razzia oder Chaos Z zu finden waren, fehlten bei Slime. Stattdessen war es zu Beginn die Lust an „Randale“ und der „Wille zur Veränderung“, der aus den Texten sprach. Bereits der Titel der EP Wir wollen keine Bullenschweine sowie das gleichnamige Titellied waren ein Affront gegen die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Aus der Anti-Atomkraft-Bewegungkommend und durch die Ausschreitungen bei den Demonstrationen der AKW-Gegner entscheidend geprägt, versteifte sich die Wut über das repressive Agieren des Staates, der letztlich das stark umstrittene Wir wollen keine Bullenschweine, aber auch die weiteren Texte der ersten beiden Alben prägte.[37] Weitere Themen in der ersten Phase waren die Abgrenzung von anderen Jugendkulturen (D.I.S.C.O.) und Spießern sowie Alkoholkonsum (so besang Slime die Aldi-Marke Karlsquell). Fußball war ebenfalls von Beginn an ein großes Thema, ironischerweise zunächst für den HSV, dann jedoch für den FC St. Pauli.

Musikalisch litten die ersten Aufnahmen unter dem fehlenden Geld, das erst mit der Vertragsunterzeichnung bei Aggressive Rockproduktionen zur Verfügung stand. So wurden die ersten Alben in Eigenregie produziert und verfügten daher über eine eher rohe Tonqualität. Zunächst noch von der britischen Punk-Bewegung um Bands wie The Clash, The Damned und den Sex Pistols beeinflusst, adaptierte man später auch den Sound des US-amerikanischen Hardcore-Punks, hier insbesondere Black Flag und Dead Kennedys. Die ersten Aufnahmen waren entsprechend den Vorbildern eher simpel gehalten, jedoch mit einem stärker rock-lastigen Sound, der vor allem auf die Verehrung von Ton Steine Scherben zurückgeht.[38][39] Bis zum Ende der ersten Band-Phase steigerte sich das musikalische Talent – gerade das letzte Album Alle gegen Alle war zudem wesentlich aufwändiger produziert. Durch das Hinzukommen von Stephan Mahler als Haupttexter veränderten sich auch die Texte, die zunächst stark parolenhaft und provokant waren. Bei Alle gegen Alle wurden mehr persönliche Themen behandelt. Zudem waren die Texte reflexiver und behandelten das Verhältnis zur eigenen Szene.[10]

Nach der Wiedervereinigung der Band 1990 wurden die Texte wesentlich anspruchsvoller. Sowohl Viva la Muerte, von Rodrigo González mit einer Metal-Produktion versehen, als auch Schweineherbst arbeiten mit einer metaphorischen Symbolik, die sich von den klaren Aussagen früherer Produktionen verabschiedete. Beide Alben sind geprägt vom fremdenfeindlichen Brandanschlägen nach der deutschen Wiedervereinigung. Musikalisch war Viva la Muerte stärker vom Metal geprägt, während Schweineherbst wieder deutlich mehr Punk-Elemente besaß.[40] Diverse Riffs erinnerten sowohl an Slayer als auch an Social Distortion. Schweineherbst wird von der Kritik als Magnum Opus in Slimes Schaffen gesehen, als „bestes Deutschpunk-Album aller Zeiten“, das über „[i]ntelligente Texte, kraftvolle[n] Midtempo-Hardcore und eine unglaubliche Sound-Dichte“[41] verfügt.[42]

Bedeutung

Punk-Szene und Protestkultur

Slime akustisch 2015 im Saarbrücker Juz Försterstraße

Slime war eine der einflussreichsten deutschen Punk-Bands der frühen Bewegung und prägte so die politische Grundhaltung eines großen Teiles der deutschen Szene. Sie gehörte zusammen mit Toxoplasma, Canal Terror, Daily Terror und Razzia der zweiten Welle an Punk-Bands an. Allen diesen Bands waren effektvolle und provokative Parolen gemein, die sie wesentlich von früheren Bands unterschieden.[43] Aus dem Gros ähnlicher Bands hob sich die Band vor allem durch ihre extrem provozierenden Texte heraus. Die vor allem polizeifeindlichen Texte der ersten Aufnahmen beeinflussten die Protestkultur jener Zeit. Slime prägten verschiedene Parolen der damaligen und zum Teil auch noch heutigen links-autonomen Demonstrationskultur. So gehen Parolen wie „Polizei SA – SS“, „Demokratie – die klappt wohl nie“, „Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz“, „Mollis und Steine gegen Bullenschweine“ und „Legal – Illegal – Scheißegal“ auf Slime zurück. Bis heute ist nicht klar, ob sich die Parole A.C.A.B. („All Cops Are Bastards“, dt. „Alle Bullen sind Bastarde“) in Deutschland durch Slime verbreitete oder ob das gleichnamige Lied der britischen Band The 4-Skins hier anregend war.[38] Die harten Texte der ersten Veröffentlichungen imponierten der Punk-Szene jener Zeit. Noch heute ist Slime „[d]ie Band, auf die sich jeder einigen kann, die musikalisch wie textlich von 1979 bis 1985 und von 1990 bis 1994 Generationen von politisch interessierten Punks prägte“.[22]

Slime richtete sich in Songs wie Sand im Getriebe gegen den Staat und sang in Nazis raus (Original von Beton Combo) sowie Schweineherbst gegen Nazis. Hey Punkgilt als Punk-Hymne. Das Lied Deutschland mit seiner Zeile „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ ist eine Umkehrung der Losung „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen“ auf dem 1936 errichteten Hamburger Kriegerdenkmal am Dammtorbahnhof und sorgte für heftige Kontroversen. Nach einem Beschluss[44] des Bundesverfassungsgerichts 2000 ist es jedoch erlaubt, das Lied öffentlich abzuspielen oder zu zitieren. In seiner Urteilsbegründung bezog es sich auf die im künstlerischen Anspruch metaphorische Ähnlichkeit mit Heinrich Heines Gedicht Die schlesischen Weber.[23]

Die hessischen Grünen plakatierten ein ironisches „Legal, Illegal, Scheißegal“ im Landtagswahlkampf, der in die Zeit der Flick-Affäre 1984 fiel.[45]

Der Umgang der Punk- und der linken Szene mit Slime ist jedoch nicht frei von Konflikten. Wegen des Lieds Gerechtigkeit, in dem es heißt „Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz“ wurde die Band von autonomen Frauengruppen angegriffen.[37] Kommerzvorwürfe machten sowohl vor Alle gegen Alle als auch bei den beiden Reunions die Runde. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Antiamerikanismus der Band, unter anderem bei Yankees raus. Bereits bei der Erstveröffentlichung des Liedes wurde die Band stark kritisiert – ihr wurde unter anderem Rassismus unterstellt. Die Band reagierte bei Alle gegen Alle darauf und veröffentlichte eine Erklärung, in der sie die Vorwürfe zurückwies. Das Lied blieb umstritten und sorgte noch einmal für böse Reaktionen, als Rubberslime es 2003 neu auflegten. Attac wollte das Lied auf einem Unterstützungssampler veröffentlichen. Einigen Mitgliedern der Organisation gefielen die Vergleiche mit dem Nationalsozialismus jedoch nicht. Es kam zu einer längeren Diskussion, in die sich auch Mahler einschaltete, der die Rechte an seinem Lied verletzt sah. Letztlich entschied sich Attac, den Sampler als Peace Attack Vol. 2 über Impact Recordsherauszubringen und nicht namentlich auf dem Titel genannt zu werden.[46][47] Insbesondere die antideutsche linke Szene ging ebenfalls auf Abstand. Im Szeneladen Conne Island in Leipzig hatte Rubberslime Auftrittsverbot, das sich auch nach der Reunion als Slime fortsetzte.[33]

Interpretationen durch andere Bands und Musiker

Alec Empire ist Slime-Fan und verwendete Songmaterial für einen Soundtrack

Slime war eine der wichtigsten Bands der linken Szene in den frühen 1980ern, und so tauchen Referenzen auf sie auch Jahre später auf. Die Ärzte verwenden Material aus Bullenschweine in ihrem Nummer-1-Hit Männer sind Schweine (allerdings am Schluss des Stückes und kaum wahrnehmbar) und spielen auf einigen Live-Konzerten am Ende des Lieds Richtig schön evil den Refrain von Polizei SA/SS. Auch im zensierten Lied Kein Gerede von WIZO findet sich ein direkter Bezug auf eine Zeile des Liedes „Bullenschweine“ (Noch ein Aufruf zur Revolte, noch ein Aufruf zur Gewalt). Auch die Broilers haben auf ihrer 2008 erschienen Ruby-Light-and-Dark-EP ein Lied von Slime gecovert, nämlich Zusammen.

Auch Bands aus der rechtsradikalen Szene wie Endstufe und Kampfzone coverten Slime-Songs (Gewinnen werden immer wir auf der 10″ 2003 von Kampfzone; Linke Spießerauf dem 2006er Album Feuer frei von Endstufe).[39]

Alec Empire veröffentlichte mit seinem Projekt Atari Teenage Riot 1997 das Lied Deutschland (Has Gotta Die) als Hommage an Deutschland muss sterben.[48] Später coverte er für den von ihm zusammengestellten Chaostage-Soundtrack das Stück Bullenschweine, das zusammen mit dem Original Grundlage der Indizierung des Soundtracks wurde.[49][50]

Stücke von Slime werden außerdem in der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene rezipiert. So verwendeten die Absoluten Beginner in den 1990ern Bullenschweine als Vorbild für ihren Beitrag K.E.I.N.E. Die Hamburger Hip-Hop-Formation Fischmob verwendete den Text für ihren Song Polizei Osterei, ein Stück im Stile der Dance-Aufnahmen der Schlümpfe. 2014 zitierte Casper das Stück auf seiner Single Im AscheregenEin drittel Heizöl, zwei drittel Benzin. Zudem postete er auf seiner Facebook-Seite ein Video zu Deutschland muss sterben, was zu einer lebhaften Diskussion seiner Fans um politische Richtungen führte.[51]

Im April 2009 erschien das Tribut-Album Alle gegen Alle – A Tribute to Slime, auf dem Bands aus der deutschen Punk- und Oi!-Szene Songs von Slime covern. Beiträge zu diesem Sampler lieferten unter anderem Die Toten Hosen (Viva la Muerte), Die Mimmi’s (Der Tod ist ein Meister aus Deutschland), Dritte Wahl (Yankees raus), Rasta Knast (Störtebecker), Stage Bottles (Robot Age), Broilers (Zusammen), Volxsturm (Gewinnen werden immer wir), Pöbel & Gesocks (Keine Führer), Ungunst (Goldene Türme) und die Jesus Skins (Wenn der Himmel brennt).

Ein weniger populärer Tribut-Sampler erschien 2004 auf dem Label Kink Records. Unter anderem sind Popperklopper, Hausvabot, Kumpelbasis sowie die brasilianische Band Agrotóxico auf der Tape-Compilation vertreten. Einige der veröffentlichten Songs fanden sich später ebenfalls auf dem Alle gegen Alle – A Tribute to Slime-Sampler wieder.

Auch in der Metal-Szene wurde die Band rezipiert. Stücke von Slime wurden unter anderem von Kreator, Totenmond und Japanische Kampfhörspiele gecovert.

Neben Cover-Versionen und Song-Zitaten ist die Band auch Gegenstand verschiedener Song-Texte. Jens Rachut, angesäuert über die Reunion von Slime 1990, widmete der Band das Blumen-am-Arsch-der-Hölle-Stück Schleim, in dem es heißt:

„Ihr wisst es so genau/Ihr Bands, die sich zurückbilden und neuformiern/Ihr wisst es alle/Und alle/Revival stinkt/Es stinkt/Und stinkt“

– Blumen am Arsch der Hölle: Schleim[52]

Dies war in erster Linie gegen Mahler gerichtet, der mit ihm bei der Vorgängerband Angeschissen zusammengearbeitet hatte. Allerdings versöhnten sich die beiden später wieder: 2006 arbeiteten sie bei Kommando Sonne-nmilch wieder zusammen. In Egotronics Kotzen, einer Antwort auf die Reaktionen zu ihrem kontroversen Stück Raven gegen Deutschland, ist ein Slime-Shirt der Aufhänger für folgende Beobachtung:

„Du kennst die letzte Platte/Bist dazu abgegangen/Doch spielt jetzt Deutschland bist du umgehend ganz unbefangen/Du trägst ein Slime-Shirt/Und ich bin sehr verstört/‚Deutschland muss sterben‘ hast du damals dann wohl überhört“

– Egotronic: Kotzen[53]

Die Hip Hop Formation Antilopen Gang bezieht sich in ihrem Song Outlaws mit dem Satz „Deutschrap muss sterben damit wir leben können“ auf den Song Deutschland.[54]

Das Logo der Band Emils ist eine Hommage an das Bandlogo von Slime

Das Band-Logo von Slime mit seinem hohen Wiedererkennungswert findet sich in geringfügiger Abwandlung im Logo von Michael Mayers Band Elf sowie im Logo der Crossover-Band Emils wieder.

mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Slime_(Band)


Gotthard

Gotthard ist eine Schweizer Hard-Rock-Band aus Lugano im Kanton Tessin. Jedes Studioalbum erreichte nach dem Debüt Platz 1 der Schweizer Charts. Ihre Bekanntheit ist aber weitestgehend auf die Schweiz beschränkt geblieben.

Der Beginn: 1990–1996

Bassist Marc Lynn

Gotthard wurden zu Beginn des Jahres 1989 im Tessin unter dem Namen Krak ins Leben gerufen. Nachdem sich der ehemalige Krokus-Bassist und Mentor Chris von Rohr der Band als Produzent und Co-Songwriter annahm, benannten sie sich im Jahr 1991 in Gotthard um und unterschrieben einen Plattenvertrag bei BMG.

Das selbstbetitelte Debütalbum erschien 1992 und wurde in der Schweiz aus dem Stand zu einem riesigen Erfolg. Es landete auf Platz 5 in den nationalen Charts und die Band tourte als Support für Satrox durch die Schweiz, mit Magnum durch Grossbritannien und als Vorband von Victory (im Frühjahr) und Magnum (im Herbst) durch Deutschland. Des Weiteren spielten sie beim Foundations Forum in Los Angeles und eröffneten für Bryan Adams in Zürich.

In der Besetzung Steve Lee (Gesang), Leo Leoni (Gitarre), Marc Lynn (Bass) und Hena Habegger (Schlagzeug) spielte die Band 1993 in den USA das Nachfolgealbum ein. Dial Hard erschien Anfang 1994 und wurde zum ersten Nummer-1-Album für Gotthard in der Schweiz. Ein Zustand, den jedes weitere Gotthard-Album in der Schweiz erreichte (Stand 2017). Ab 1993 stand Igor Gianola als Tourgitarrist mit der Band auf der Bühne. Er begleitete Gotthard bis 1995 auf Tourneen in Europa und Japan, bevor er erst zu Ain’t Dead Yet und später zu U.D.O. wechselte.

Auf der Tour zum nächsten Album G. (1996) stieß ex-Krokus-, Asia- und Cobra-Gitarrist Mandy Meyer zur Band. G. markierte vorerst den Abschied und gleichzeitig den Höhepunkt der rockenden Jahre.

Gotthard Unplugged und die Folgen: 1997–2002

Schlagzeuger Hena Habegger

Habegger, Leoni und Gitarrist Freddy Scherer

Das 1997 veröffentlichte Unplugged-Livealbum D-Frosted läutete ein neues Zeitalter für Gotthard ein. Bereits zwei Monate nach Veröffentlichung erreichte das Album Doppel-Platin in der Schweiz. Die Band spielte eine ausverkaufte Tournee durch die Schweiz und Deutschland und absolvierte Konzerte in Frankreich und Italien. Im November 1998 spielten Gotthard im Vorprogramm von Deep Purple in Frankreich.

Das 1999 erschienene Album Open baute auf den Erfolg des Livealbums auf und präsentierte eine weniger rockige und gemässigtere Band. Den bisher grössten Singleerfolg bescherte ihnen die Ballade Heaven vom nächsten Album Homerun (2001). Der Song erreichte die Spitzenposition in den nationalen Singlecharts. Das dazugehörende Album wurde mit Dreifach-Platin ausgezeichnet. Im Juni 2001 eröffneten Gotthard für Bon Jovi in Zürich, Wien und München, einen Monat später waren sie im Vorprogramm von AC/DC in Turin zu sehen.

Neugewonnene Härte: 2003 bis 2009

Die Jahre 2003 und 2004 waren geprägt von einschneidenden Veränderungen in der Band. Zum einen trennte sich die Band von Mentor und Co-Produzent Chris von Rohr, um die vom Produzenten gewünschte Kommerzschiene wieder in Richtung Rock zu verlassen und zum anderen verließ Mandy Meyer die Band. Er spielt heute bei Unisonic . Sein Nachfolger wurde Marc Lynns ehemaliger Bandkollege Freddy Scherer von China. Gotthard wechselten das Management, gründeten 2004 das eigene Plattenlabel G.records und unterschrieben einen Vertriebsvertrag mit Nuclear Blast. Im Mai 2003 spielten Gotthard als Co-Headliner bei der 300-Jahr-Feier von St. Petersburg und hatten einen Auftritt im Moskauer Kreml.

Das Album Human Zoo wurde von Marc Tanner (Nelson, American Hi-Fi, …) produziert und markiert eine Rückkehr zur rockigeren Seite der Band. In dieselbe Kerbe haute auch das 2005 erschienene Album Lipservice, das von Ronald Prent (u. a. Rammstein) und Leo Leoni produziert wurde.

Am 8. Dezember 2005 wurde im fast ausverkauften Hallenstadion Zürich eine Live-CD und eine Live-DVD aufgenommen. Die CD Made in Switzerland erschien im Frühjahr 2006. Die DVD ist im Doppelpack enthalten. Im April 2007 veröffentlichten Gotthard ihr achtes Studioalbum Domino Effect, das ebenfalls wieder vorrangig rockige Songs beinhaltet und auch wieder von Ronald Prent und Leo Leoni produziert wurde.

Im Mai wurde Lift U Up von Blick zum offiziellen Fansong zur Europameisterschaft 2008 gekürt[1]. Der Remix erschien im Juni 2008 und wurde von Mousse T. arrangiert. Ebenso wurde im Juni 2008 die musikalische Zukunft mit einem weiteren Plattenvertrag gesichert, der bis zum Jahr 2012 drei weitere Studioalben vorsieht. Das aktuelle Album ist am 4. September 2009 unter dem Titel „Need to Believe“ erschienen; enthalten ist auch die neue Single Shangri La. Dieses Album war der bisher größte Erfolg der Band. Es fand sich auch in Deutschland zeitweise auf Platz 8 der offiziellen Charts. Eine weitere Singleauskopplung namens „Unconditional Faith“ wird außerdem auf dem Soundtrack des autobiografischen Spielfilms über den deutschen Box-Superstar Max Schmeling enthalten sein.

Steve Lee

Nach dem großen Erfolg der Band im Vorprogramm von Deep Purple auf deren Deutschlandtournee im Jahr 2008 starteten Gotthard 2009 zu einer großen Europatour. In Deutschland spielten Gotthard zusammen mit der schwedischen Rocklegende Europe eine Headlinertour, für die sogar Stadien der Dimension der Münchener Olympiahalle gebucht wurden.

Tod von Steve Lee: 2010

Am 5. Oktober 2010 verunglückte der Sänger Steve Lee bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall in der Nähe der Stadt Mesquite im US-Bundesstaat Nevada und starb noch an der Unfallstelle.[2] Der letzte Auftritt von Steve Lee mit Gotthard fand anlässlich der Miss-Schweiz-Wahlen Ende September 2010 statt, das letzte Konzert vor Publikum am Open Air Gampel im Wallis im August.

Auf der offiziellen Webseite liess die Band im Februar 2011 verlauten, dass sie nach einer längeren Trauerphase wieder Projekte plant und einen neuen Frontmann sucht. In einem arbeitsrechtlichen Leitentscheid[3] wies das Bundesgericht 2012 letztinstanzlich die Anträge der Band auf Kurzarbeitsentschädigung für zwei Angestellte ab, da der Ausfall eines Sängers zum normalen Betriebsrisiko von Musikgruppen gehöre.[4]

Seit dem Neubeginn 2011

Am 20. November 2011 gab die Band bekannt, dass der Schweiz-Australier Nic Maeder neuer Sänger von Gotthard sein wird. Zum 1. Juni 2012 wurde Firebirth, das erste Album mit Nic, veröffentlicht.[5] Die erste Single Remember it’s me konnte man vor dem Erscheinen des Albums auf der Homepage der Band kostenlos herunterladen. Das Album ist – trotz der eingestreuten Balladen – deutlich härter und gradliniger als die unmittelbaren Vorgänger, der Einfluss von Neu-Mitglied Nic Maeder deutlich herauszuhören. Am 7. April 2014 erschien das Nachfolger-Album BANG!.[6]

Der Bandname

Gotthard ist nicht nur der Name eines Gebirgsmassivs in der Schweiz, sondern steht auch für den durch dieses Massiv führenden Tunnel sowie den gleichnamigen Gebirgspass. Ein zweiter Sinn ergibt sich, wenn man beachtet, dass die Band bei der Schreibweise ihres Namens gewöhnlich das zweite T von GOTTHARD um 180° gedreht schreibt. Dieses T trennt GOT von HARD und stellt einen Phallus dar, ausserdem heisst „Got Hard“ auf Englisch so viel wie einen Ständer gekriegt (vgl. englisch: to get/got hard) – eine sexuell bezogene Anspielung, die vor allem für Hair-Metal-Bands der 1980er Jahre und ihre anzüglichen Texte typisch ist. Das Logo der Band wurde von Ron Habegger entworfen, dem Bruder des Schlagzeugers Hena Habegger.

Erfolge und Auszeichnungen

  • Gotthard sind die bisher national erfolgreichste Schweizer Rockband (international liegen Krokus weiterhin vorne)
  • Weltweit über 2.000.000 verkaufte Alben, davon alleine 1.000.000 in der Schweiz
  • 14 Nummer-Eins-Alben
  • 1 Diamond Award (1Million verkaufter Alben in der Schweiz)
  • 2 Dreifach-Platin-Album (Homerun)
  • 6 Doppel-Platin-Alben (Human Zoo, One Life One Soul, Open, D-Frosted, Lipservice)
  • 7 Platin-Alben (Gotthard, Dial Hard, G., One Team One Spirit, Made In Switzerland, Domino Effect)[7]
  • 26 Single-CDs
  • 1 Platin-Single (Heaven)
  • 2008 – Swiss Music Award in der Kategorie «Best Album Pop/Rock National» für «Domino Effect»[8][9]
  • 2010 – Gotthard mit 13 Alben gleichzeitig in den Schweizer Charts[10]
  • 2015 – Swiss Music Award in der Kategorie «Best Album»

https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthard_(Band)


Tankard

Tankard (engl. „Bierkrug“) ist eine 1982 in Frankfurt am Main gegründete Thrash-Metal-Band. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil aufgrund des übermäßigen Auftauchens des Themas Alkohol scherzhaft als Alcoholic Metal. Aufgrund ihrer Verbundenheit zu den Fans, mit denen die Band nach Konzerten gerne ein paar Bier trinkt, hat sich Tankard eine beachtliche Fangemeinde auf der ganzen Welt erspielt und tritt auf internationalen Festivals auf.

Produzent der Band war bis 2000 Harris Johns, der u. a. Helloween, Sodom, Voivod produzierte. Seit 1986 ist Uwe „Buffo“ Schnädelbach der Manager der Band. Dieser ist auch als Redakteur des Metal-Magazins Rock Hard sowie als Musikfotograf tätig.

1982 gründete sich die Band zunächst unter den Namen Vortex, später Avenger. Recht schnell entschieden sich die Gründungsmitglieder, die alle das Frankfurter Goethe-Gymnasium besucht hatten, allerdings für den Namen Tankard. 1984 und 1985 erschienen die Demos Heavy Metal Vanguard und Alcoholic Metal. 1986 konnten sie ihr Debütalbum Zombie Attack auf dem Noise Records-Label veröffentlichen. Bei dem nächsten Album Chemical Invasion wurde das Coverartwork zum ersten Mal von Sebastian Krüger gezeichnet. 1987 gingen Tankard zum ersten Mal auf Tournee. Das Album The Morning After (1988) wurde zum ersten finanziellen Erfolg der Band. 1989 veröffentlichten sie dann die Alien EP, auf dieser ist zum ersten Mal das Bandmaskottchen, ein grüner Alien abgebildet.

Nach der Veröffentlichung des Best-of-Albums Hair of the Dog verließ der damalige Schlagzeuger Oliver Werner die Band und wurde durch Arnulf Thunn ersetzt. 1990 gaben Tankard zwei Solidaritätskonzerte in der DDR. Kurz darauf veranstaltete die Band ein Festivalkonzert, welches unter dem Titel Open All Night auch auf Video veröffentlicht wurde. 1990 erschien auch das Album The Meaning of Life. Ein Jahr später folgte das Livealbum Fat, Ugly & Live. Beide Alben verkauften sich gut. In der Fernsehserie Ein Fall für zwei ist die Band Anfang 1991 in der Folge Schneewalzer zu sehen. Auf dem Album Stone Cold Sober war mit Freibier zum ersten Mal ein deutschsprachiges Lied enthalten. Verschiedene Differenzen führten Ende 1993 zu einer einvernehmlichen Beendigung der Zusammenarbeit mit Arnulf, nachdem die Aufnahmen zu Two-Faced abgeschlossen waren. Neben seiner Schlagzeugarbeit zeichnete Arnulf auch als Komponist u. a. von Space BeerBeermudaStone Cold SoberUp from Zero und Ugly Beauty verantwortlich.

Nach der Veröffentlichung von Two-Faced stieg mit Olaf Zissel der dritte Schlagzeuger ein. 1994 erschien mit Aufgetankt das erste Album unter dem Namen Tankwart. Die Band coverte darauf verschiedene Hits der Neuen deutschen Welle und des Deutschpunk, worunter sich u. a. Lieder von den United Balls, Extrabreit oder den Ärzten fanden. 1995 musste Axel Katzmann die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Die Band entschied sich, seinen Posten nicht neu zu besetzen und machte mit nur einem Gitarristen weiter. Katzmann war nicht nur Gitarrist, sondern auch Hauptsongwriter der Band. 1996 erschien das Album The Tankard, welches zum ersten Mal auch melodische Passagen und einen teilweise klaren Gesang aufweist. Im gleichen Jahr veröffentlichte die Band das zweite Tankwart-Album Himbeergeist zum Frühstück, welches sich auf den deutschen Schlager konzentrierte. Enthalten waren Coverversionen unter anderem von Dschinghis Khan, Rex Gildound Heino.

Zum 20-jährigen Bandjubiläum tourte die Gruppe in den Jahren 2002 und 2003 und besuchte neben Deutschland auch Griechenland und die Türkei. Danach erschien das Album Beast of Bourbon, worauf unter anderem auch die Cock-Sparrer-Coverversion We´re Coming Back zu finden ist. Im Mai 2005 wurde ein komplettes Konzert der Band in der Batschkapp in Frankfurt mitgefilmt, um kurz darauf die Double-DVD Fat, Ugly and Still (A)Live zu veröffentlichen. Diese DVD weist eine Spielzeit von ca. 5 Stunden auf; neben dem Konzert erhält man Einblicke in das Backstageleben der Band. Es sind ebenfalls vier Videoclips und eine umfangreiche Bildergalerie enthalten. Am 29. April 2006 erfüllte sich für die Band einer ihrer größten Träume. Tankard durften im ausverkauften Olympiastadion Berlin anlässlich des DFB-Pokalfinales die Eintracht-Frankfurt-Hymne Schwarz-weiß wie Schnee als Playback spielen. Dieser Auftritt wurde am 19. August 2006 im Frankfurter Waldstadionwiederholt.

Daraufhin wurde die Single-CD Schwarz-weiß wie Schnee veröffentlicht, welche neben der im Studio neu aufgenommenen SGE-Hymne noch das Lied Eurobbapokalund eine Live-Version des Cock-Sparrer-Songs We’re Coming Back enthält, daneben eine Demoversion des Titelsongs und drei weitere Lieder. Abgerundet wird die gut 22-minütige Scheibe vom Videoclip The Beauty and the Beast und einem Digicammitschnitt des Olympiastadion-Auftritts. Weiterhin erschien im Jahr 2006 das Album The Beauty and the Beer und 2008 Thirst. Am 17. Dezember 2010 veröffentlichte die Band ihr 14. Album Vol(l)ume 14, am 27. Juli 2012 folgte das Album A Girl Called Cerveza, das auf Platz 32 der deutschen Albumcharts einstieg. Am 20. Juni 2014 erschien das Album Rest In Beer (kurz R.I.B).

Am 11. August 2015 wurde ihr Drummer Olaf Zissel ins Krankenhaus eingeliefert, wegen Verdacht auf einen Schlaganfall. Dadurch fiel er für mehrere Konzerte aus. Er wurde durch Gerd Lücking von Holy Moses ersetzt.

Am 27. Mai 2017 spielte die Band das zweite Mal nach 2006 die Eintracht-Frankfurt-Hymne „Schwarz-weiß wie Schnee“ vor einem DFB-Pokal-Finale im Olympiastadion Berlin. Ihr neuestes Album One Foot in the Grave erschien am 2. Juli 2017 unter dem Label Nuclear Blast.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tankard


Nina Hagen

Nina Hagen auf der Premiere des Films Der 7bte Zwerg (2014)

Catharina „Nina“ Hagen (* 11. März 1955 in Ost-Berlin) ist eine deutsche SängerinSchauspielerin und Songschreiberin. Sie wird als deutsche „Godmother of Punk“ bezeichnet,[1][2] beeinflusste den deutschen New Wave[3] und war eine Vorreiterin der Neuen Deutschen Welle.[4]

Nina Hagen wurde als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen und des Drehbuchautors Hans Oliva-Hagen 1955 im Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain geboren. Sie wollte in der DDR ursprünglich Schauspielerin werden, doch wurde ihr Antrag von der Schauspielschule ohne Begründung abgelehnt. Der zuständige MfS-Offizier hatte den Vermerk „Verhindern!“ auf den Aufnahmeantrag geschrieben, da der Dissident Wolf Biermann der Lebensgefährte ihrer Mutter war und auch Nina Hagen somit als politisch unzuverlässig galt.[5] Danach sang sie bei einigen Bands in Polen und kam dadurch zum Orchester Alfons Wonneberg.

1974 beendete Hagen eine einjährige Gesangsausbildung am Zentralen Studio für Unterhaltungskunst als staatlich geprüfte Schlagersängerin; ihr Stimmumfang wird von der Presse mit vier Oktaven angegeben.[6] Hagen wurde bei einem Konzert von der Gruppe Automobil entdeckt und sofort engagiert. Ihre erste Veröffentlichung war der beim ostdeutschen Plattenlabel Amiga herausgegebene Titel Du hast den Farbfilm vergessen, den zwei der Bandmitglieder geschrieben hatten.[5] 1975 verließ sie Automobil und wechselte zu Fritzens Dampferband. Eine öffentliche Solidaritätsbekundung für den verfemten Wolf Biermann, der 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, brachte Hagen ins Abseits, so dass sie am 28. Dezember des gleichen Jahres die Chance nutzte, in den Westen zu emigrieren. Sie ging zunächst nach Großbritannien und war dort in der Punkszene unterwegs.

Nach ihrer Übersiedlung in die Bundesrepublik gründete sie im Herbst 1977 zusammen mit den Kreuzberger Musikern Bernhard PotschkaHerwig MittereggerManfred „Manne“ Praeker, die zuvor bei Lokomotive Kreuzberg gespielt hatten, und Reinhold Heil die Nina Hagen Band. 1978 erschien das international beachtete Album Nina Hagen Band. Nicht viel später überwarf die Sängerin sich mit den vier Musikern, die ihr Unberechenbarkeit und egozentrische Starallüren vorwarfen. Da mit der Plattenfirma CBS jedoch bereits ein zweites Album vertraglich vereinbart war, wurden die Aufnahmen dafür zunächst durch die vier Musiker eingespielt, später wurde – in Abwesenheit der vier Musiker – Hagens Gesang aufgenommen. Der Titel des 1979 erschienenen Albums ist Unbehagen. In den 1980er Jahren konnten die vier Musiker unter dem Bandnamen Spliff ohne Hagen große Erfolge verzeichnen. In den 1980er und 1990er Jahren machte Hagen durch ihre UFO-Theorien, ihr großes Interesse an der Spiritualität und Religion sowie ihr Engagement für den Tierschutz auf sich aufmerksam. Diese Einflüsse finden sich auch auf den zahlreichen, mit unterschiedlichsten Musikern eingespielten Plattenveröffentlichungen dieser Zeit.

Nina Hagen (1980)

Nina Hagen (2003)

Zwischen 1980 und 1986 lebte Hagen vorwiegend in den USA, London und den Niederlanden und trat in dieser Zeit auch häufig in den USA auf. 1983 erschien ihre LP Angstlos, in der englischen Version Fearless; mit dem gleichnamigen Programm tourte sie 1984 durch USA und Europa. 1985 trat Hagen bei der Premiere von Rock in Rio vor rund 300.000 Zuschauern auf. 1986 kehrte sie nach Deutschland zurück. Sie stilisierte sich, beraten vom Mode-Designer Jean Paul Gaultier, als Punk-Rock-Diva. Auf ihren nächsten Schallplatten gab sie sich kosmopolitisch, sang mal Deutsch, mal Englisch, schlug sich zur Präsidentin vor (Street, 1991). 1993 unternahm sie mit dem Album Revolution Ballroom und dem Produzenten Phil Manzanera einen neuen Anlauf. 1996 sang sie auf dem BAP-Album Amerika gemeinsam mit Wolfgang Niedeckenden Titel Weihnachtsnaach, eine Coverversion des Pogues-Titels Fairytale of New York.[7] 1997 sang sie mit Thomas D den Song Solo, der später auch als Single ausgekoppelt wurde, für dessen gleichnamiges Album ein.

Zum 100. Geburtstag des Dramatikers Bertolt Brecht zog es sie Anfang 1998 zurück in ihre Geburtsstadt Berlin. Zusammen mit der Schauspielerin und Chansonsängerin Meret Becker gab sie im Berliner Ensemble den Punk-Brecht-Abend Wir heißen beide Anna und dialogisierte mit dem Dichter. 1999 sang sie für ein CD-Doppelalbum der Dreigroschenoper mit Max Raabe als Mackie Messer und dem Ensemble Modern unter HK Gruber die Sopran-Partie der Celia Peachum, getreu der Originalpartitur von Kurt Weill. 1998 spielte Hagen für den Berliner Fußballverein 1. FC Union Berlin eine neue Vereinshymne ein.[8]

Im März 2000 präsentierte sie, barfuß im seidenen Sari, auf der Bühne des von Räucherstäbchen eingenebelten Berliner Ensembles vor einem Altar mit Opfergaben eine „Indische Nacht“. Ein Teil der dort vorgestellten Gesänge erschien ausschließlich auf Hagens Website, deren Erlös zur Hälfte dem BabajiAshram, einem deutschen Hospiz, brasilianischen Straßenkindern, Kinderkrankenhäusern in Indien und Tschernobyl zugutekommen sollte. Der Filmemacher Peter Sempel drehte einen experimentellen Dokumentarfilm, Nina Hagen – Punk & Glory, der die Jahre 1994 bis 1999 dokumentiert, über Nina Hagen, ihre Familie und die Wegbegleiter. In den Vordergrund rückte sie auch wieder durch die Zusammenarbeit mit Thomas D und den Bands Oomph! und Apocalyptica.

2001 sprach Hagen für die Rilke-Projekt-CD Bis an alle Sterne die Gedichte Die Welt die monden ist und Wie das Gestirn ein. Im Dezember 2002 erschien die Biografie Nina Hagen. That’s Why the Lady Is a Punk des Schriftstellers Marcel Feige in enger Zusammenarbeit mit Hagen. Das Buch wurde 2003 mit dem Literaturpreis Corineausgezeichnet. 2002 sang Hagen ein Remake des Klassikers Kriminaltango im Duett mit dem Schweizer Sänger Michael von der Heide. 2005 gastierte Hagen auf Frank Zanders Album Rabenschwarz II und sang mit ihm eine Coverversion des Schlagers Liebeskummer lohnt sich nicht von Siw Malmkvist. Des Weiteren war sie 2005 Stargast des Berliner Yogafestivals[9] und des Wiener Life Ball, wo sie unter anderem Falcos Ganz Wien (… ist heut auf Heroin) und mit Omara PortuondoMarianne Faithfull und Chaka Khan den John Lennon-Klassiker Imagine sang.

Nina Hagen (2010)

2006 und 2007 war Hagen Jury-Mitglied bei der Casting-Show Popstars. 2006 begann sie eine musikalische Zusammenarbeit mit The Capital Dance Orchestra. Mit dem Album Irgendwo auf der Welt sang sie Filmschlager im neuen Gewand im Big-Band-Sound. Mit dem gleichnamigen Konzertprogramm ging sie 2006 mit dem Orchester im deutschsprachigen Raum auf Tournee. Im März 2008 veranstaltete Hagen in Berlin eine Aufklärungsshow, die sie später über das Internet publizierte (Nina Hagen unzensiert). Dort kritisierte sie öffentlich die Medien, die ihrer Meinung nach nicht verfassungsgerecht über aktuelle Ereignisse in der Politik und Wirtschaft berichteten. Am 17. Mai 2008 präsentierte Nina Hagen auf dem Wiener Life Ball den Song Kinky Melody, der auch auf einer CD des Modelabels Agent Provocateurerschien.

2009 erschien ihre englischsprachige CD Personal Jesus, auf der sie bekannte Gospel- und Blues-Stücke neu interpretierte. Die Süddeutsche Zeitung schrieb am 9. Juli 2010 darüber: „Dabei zwingt sie den Hörern ihren neugefundenen christlichen Glauben mit einer Kraft auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Das kann sie, weil sie eine Stimme hat, die von der Kälte einer Grace Jones bis zur Raserei einer frühen Tina Turner sämtliche emotionalen Register beherrscht.“[10] Am 18. März 2010 erschien Hagens Autobiographie mit dem Titel Bekenntnisse. 2011 zeigte der Fernsehsender Arte die Dokumentation Nina Hagen. Godmother of Punk. Die Zeitung Die Welt schrieb darüber am 16. August 2011 „Außerdem ist Nina Hagen, aus der Ferne betrachtet, ungemein witzig. Keine bloße Lachnummer. Eine Komödiantin vor dem Herrn.“[11]

2009 unterstützte Nina Hagen im Bundestagswahlkampf Bündnis 90/Die Grünen.[12] 2017 trat sie auf der Veranstaltung „Links wo das Herz schlägt“ zur Bilanz der Bundestagsfraktion DIE LINKE auf. Diese unterstützt sie auch im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017.[13]

Hagen engagiert sich für die Entschädigung der Duogynon-Opfer.[14] Sie ist Fördermitglied der Coordination gegen Bayer-Gefahren.[15] Am 10. September 2011 trat sie im Programm der Freiheit-statt-Angst-Demonstration für Bürgerrechte auf dem Berliner Alexanderplatz auf.[16] Am 31. Januar 2012 fand in Berlin die Premierenveranstaltung des Patientenverfügungs-Kinospots des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg e. V. statt. Die spezielle Patientenverfügung PatVerfü und der Kinospot mit Hagen werden unter anderem mit Flyern, auf denen ihr Konterfei und der Slogan „PatVerfü – Geisteskrank? Ihre eigene Entscheidung!“ zu sehen ist, beworben und erhielt im April 2012 aufgrund diverser Differenzen einen neuen Abspann.[17] Von 2013 bis 2014 setzte sich Hagen für die Freilassung und Rehabilitierung der Psychiatrie-Opfer Ilona Haslbauer und Gustl Mollath ein.[18][19]

Privatleben

1981 brachte Hagen ihre Tochter Cosma Shiva zur Welt. Der Vater ist der 1988 verstorbene niederländische Gitarrist Ferdinand Karmelk.[20] 1987 heiratete Hagen in einer „Punkhochzeit“ auf Ibiza den damals 17-jährigen Musiker „Iroquois“ aus der Londoner Hausbesetzerszene.[21] Nach einer Woche trennte sich das Paar.

1989 war sie mit dem Franzosen Frank Chevalier liiert, aus dieser Beziehung stammt ein Sohn. Im Mai 1996 heiratete Hagen den 15 Jahre jüngeren David Lynn.[22] Das Paar trennte sich im Jahre 2000. Im Januar 2004 heiratete Hagen den 22 Jahre jüngeren dänischen Sänger Lucas Alexander Breinholm. Die Trennung erfolgte im Januar 2005. Von 2005 bis 2010 war Hagen mit einem 28 Jahre jüngeren Physiotherapeuten aus Kanada liiert.[23]

Seit 1982 ist Hagen Vegetarierin.[24] Sie ließ sich im August 2009 in Schüttorf von Pastor Karl-Wilhelm ter Horst evangelisch-reformiert taufen.[25]

Kontroversen

In der österreichischen Spätabend-Diskussionssendung Club 2 vom 9. August 1979 zum Thema „Was ist los mit der Jugendkultur?“ erregte Nina Hagen großes öffentliches Aufsehen, als sie vor laufender Kamera – zwar angezogen, aber explizit – verschiedene Stellungen zur weiblichen Masturbation demonstrierte.[26] Der Diskussionsleiter, Dieter Seefranz, musste deswegen später als Gastgeber der Sendung zurücktreten.

1992 war Hagen neben Angela Merkel und einer Vertreterin des Bundeselternrates in der Sat.1-Talkshow Talk im Turm zu Gast. Mit ihrem Eintreten für Methadon-Substitution als einzige Möglichkeit, Heroinabhängigen langfristig zu helfen, sorgte sie für Kontroversen in der Sendung. Vor allem ihr Diskussionsverhalten wurde zum Thema in den Medien.[27] So sagte sie unter anderem: „Ich schreie Sie so lange an, wie ich will.“ oder „Ich habe die Schnauze voll von Ihrer Lügerei, von Ihrer Heuchelei.“ Schlichtungsversuche des Moderators Erich Böhme schlugen fehl und Hagen verließ zwischenzeitlich die Sendung.

Thomas Nöske schrieb über Nina Hagen in seinem Buch Pop-Schamanismus (1999): „Sie redet von Ufos, kosmischen Energien, Nächstenliebe, Weisheit und Erleuchtung, doch selbst wenn man es ihr nicht glaubt, fühlt man sich doch nicht unbedingt geködert oder verladen. Selbst wenn man ihr zwei Stunden lang bei nichts anderem als beim Faxen-Machen und Grimassen-Schneiden zuschaut, nimmt man noch etwas mit nach Haus. (…) es gibt wenige Kunstfiguren, die so konsequent Kunstfiguren sind, außer vielleicht Warhol und Bowie, die sich indes vor lauter Konsequenz fast schon wieder in der Künstlichkeit verloren. Eigentlich muß man Nina Hagen für voll nehmen, weil für halb keine zweite Hälfte bekannt ist und sie für Nichts deutlich zuviel ist. Die Unterscheidung von Masche und Echt macht sie hinfällig.“[28]

In der Talkshow Menschen bei Maischberger vom 6. September 2005 trat Hagen als Wahlkämpferin für Bündnis 90/Die Grünen auf und wurde von Jutta Ditfurth als „esoterisch ein bisschen durchgeknallt“ bezeichnet. Daraufhin äußerte Hagen: „Ich finde es furchtbar, was diese dicke Frau mit mir macht. Jutta Ditfurth, du bist eine blöde, blöde Kuh. Mit dir werde ich nie wieder reden in der Öffentlichkeit!“[29]

Am 30. Oktober 2007 erregte Nina Hagen abermals in der Sendung Menschen bei Maischberger Aufsehen durch ihre Äußerungen und ihr Diskussionsverhalten. In der Sendung zum Thema „Ufos, Engel, Außerirdische – sind wir nicht allein?“ äußerte sie Mitgefühl für die angeblich von Außerirdischen entführten Menschen, sprach von „satanischem Einfluss“ in der Welt und provozierte den ebenfalls anwesenden Physiker und Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath, nachdem dieser Skepsis an der Existenz von Außerirdischen oder Esoterik geäußert hatte, mit Grimassen und Beleidigungen zum Verlassen der Live-Sendung. Die Moderatorin Sandra Maischberger erklärte schließlich: „(…) und habe, mit Verlaub, Nina, das Gefühl, dass wahnsinnig viel in deinem Kopf wirklich durcheinandergeht (…)

Diskografie

Die Anzahl sämtlicher weltweit erschienener Schallplatten- und CD-Veröffentlichungen, auf denen Hagens Gesang zu hören ist, dürfte bei annähernd 500 liegen. Das Nina-Hagen-Archiv[31] zeigte im Oktober 2005 206 Vinylplatten, 180 CDs und 30 Audiocassetten, sowie 21 Videokassetten und 12 DVDs.

Für viele ihrer Alben produzierte sie ein englischsprachiges Pendant, so ist zum Beispiel Fearless die englische Version von Angstlos. Oft sind auf diesen noch Bonustracks enthalten, so dass es keine reinen 1:1-Umsetzungen sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nina_Hagen

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